IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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Außer  den  Sozialdemokraten  sind  es  vor  allem  die  Abgeordneten ­
  und  Anhänger  der  äußersten  Linken,  die  diese
Ansicht  vertreten  haben.  Auch  von  Rottenburg  hat  den  Beweis ­
  für  diese  Behauptung,  daß  Kartelle  die  Arbeitslöhne
drücken,  erbringen  wollen.  Es  ist  ihm  dies  jedoch  nicht  gelungen, ­
  und  er  hat  den  Beweis  nicht  erbringen  können,  da
die  Tatsachen  uns  eben  eines  Besseren  belehren,  von  Rottenburg ­
 1 )  führt  allerdings  an,  daß  der  Arbeitslohn  durch  die
Vereinigung  der  Kohlengrubenbesitzer  im  Loiregebiet  im
Jahre  1845  von  durchschnittlich  3  Franken  auf  1,55  Franken
gesunken  sei.  Allein  diese  Behauptung  soll  bis  heute  noch
nicht  durch  ausreichende  Unterlagen  bewiesen  sein.  Es  ist
wohl  auch  in  der  Tat  an  sich  nicht  sehr  wahrscheinlich,  daß
die  Syndikate,  die  die  Preise  ihrer  Erzeugnisse  steigern  und
mindestens  auf  einer  einen  ausreichenden  Verdienst  gewährleistenden ­
  Höhe  halten,  zugleich  noch  die  Löhne  drücken,
um  auch  aus  solchen  Ersparnissen  an  Löhnen  die  Gewinne
der  Kartellmitglieder  noch  mehr  zu  erhöhen *  2 ).  Auch  dem
arbeiterfeindlichen  Unternehmer  wäre  dies  bei  der  heutigen
Geschlossenheit  der  Arbeiter,  ihrer  Geneigtheit  zu  Ausständen ­
  und  ihrer  Freizügigkeit,  nur  unter  harten  Kämpfen
möglich.
Seit  dem  Entstehen  der  vielen  Syndikate  in  den  neunziger
Jahren  des  vergangenen  Jahrhunderts  hat  ein  stetiges  Steigen ­
  der  Arbeitslöhne  in  syndizierten  Betrieben  stattgefunden ­
 3 ).  Es  ist  eine  der  bemerkenswertesten  Begleiterscheinungen ­
  der  letzten  wirtschaftlichen  Hochkonjunktur  (1905
bis  1907)  gewesen,  daß  beispielsweise  der  Gewinn  der  syndizierten ­
  Zechen  nicht  in  demselben  Verhältnis  wie  die  KohTen-*)
  von  Rottenburg,  Die  Kartellfrage,  p.  74.
2 )  Allerdings  hat  die  American  Tin  Plate  Co.,  eine  Untergesellschaft ­
  des  Strahltrusts,  von  der  Amalgamated  Association  verlangt,
daß  sich  ihre  Mitglieder  bei  Herstellung  des  für  das  Ausland  bestimmten ­
  Bleches  mit  25  °/ 0  niedrigeren  Löhnen  begnügten,  und  drohte  bei
Nichtannahme  dieser  Bedingungen  eine  Betriebseinschränkung  vorzunehmen. ­
  Die  Gesellschaft  setzte  auch  ihren  Willen  in  Form  eines
Kompromissen  durch,  das  auch  für  alle  übrigen  Weißblechfabrikanten
maßgebend  wurde.  (Vgl.  Gutmann,  Über  den  amerikanischen  Stahltrust,
p.  101.)  Jedoch  bestand  hier  die  besondere  Absicht,  aus  bestimmten
Gründen  besonders  billiges  Blech  in  das  Ausland  liefern  zu  wollen.
3 )  Auch  die  Trusts  in  Amerika  haben  auf  die  Lage  der  Arbeiter
bezüglich  der  Löhne  im  allgemeinen  keine  bessere  oder  schlechtere
Wirkung  ausgeübt  als  andere  kapitalistische  Organisationsformen.  (Vgl.