IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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Niedergang  bereits  in  erheblicher  Weise  fühlbar  machte,
haben  die  Löhne  in  den  meisten  Bezirken  nicht  allein  ihren
ungewöhnlich  hohen  Stand  behalten,  sondern  sind  in  einigen
Bezirken  noch  ein  wenig  gestiegen,  in  anderen  Bezirken
allerdings  ein  wenig  gefallen.  Eine  einheitliche  Tendenz  ist
für  1908  nicht  zu  erkennen,  ln  Oberschlesien  und  Niederschlesien ­
  ist  ,der  durchschnittliche  Jahresverdienst  noch  um
lo/o  gegenüber  1907  gestiegen,  im  staatlichen  Kohlenbergbau
im  Saarrevier  hat  er  sich  ähnlich  wie  bei  der  Krisis  von  1901
kaum  verändert,  im  Ruhrgebiet  und  im  Aachener  Bezirk  ist
er  um  4«/o,  bzw.  3°/o'  gesunken.  Das  Jahr  1909  brachte  dann
einen  Rückgang  der  Löhne  in  allen  Gebieten:  in  Ober-  und
Niederschlesien  um  3o/ 0 ,  im  Saargebiet  um  4o/o,  im  Aachener
Bezirk  um ! 5o/o  und  im  Ruhrbezirk  um  10o/o.  Setzt  man  wieder
den  durchschnittlichen  Jahresverdienst  von  1907  gleich  100,
so  betrug  er  1909  in  Ober-  und  Niederschlesien  98,  im  Saargebiet ­
  96,  im  Aachener  Bezirk  92  und  im  Ruhrbezirk  86.
Wenn  nun  die  Löhne  im  Ruhrgebiet  und  im  Aachener
Bezirk  im  Jahre  1909  gefallen  sind,  so  ist  das  gewiß  zu  bedauern, ­
  zumal  in  einer  Zeit,  die  eine  so  allgemeine  Steigerung ­
  der  Kosten  der  Lebenshaltung  mit  sich  brachte,  wie
die  letztverflossenen  Jahre.  Andererseits  ist  festzustellen,
daß  gerade  im  Ruhrkohlenrevier  die  großen  Gesellschaften,
im  Interesse  ihrer  ständigen  Arbeiterschaft  und  eines  dauernden ­
  geregelten  Betriebes  neben  anderen  Opfer  heischenden
Maßnahmen  vor  allem  die  Löhne  der  Arbeiter  höher  gehalten ­
  haben,  als  es  den  wirtschaftlichen  Verhältnissen  zu
jener  Zeit  entsprach 1 ).  Allerdings  sind  die  Löhne  im  Jahre
1909  in  diesen  beiden  Bezirken  gesunken,  aber  nicht  in  dem
Maße,  wie  der  Erlös  der  Erzeugnisse  zurückgegangen  ist;
dies  trifft  besonders  auf  die  reinen  Zechen  zu *  2 ).  Dann  aber
darf  nicht  übersehen  werden,  daß  in  diesen  beiden  Bezirken
die  Löhne  in  den  Zeiten  guter  Konjunktur  regelmäßig  stärker
gestiegen  sind,  als  die  Kosten  der  Lebenshaltung,  daß  die
durchschnittlichen  Jahresverdienste  hier  im  Jahre  1907  um
44,  bzw.  53°/o  und  selbst  noch  1909  um  24,  bzw.  42o/o  höher
3 )  Vgl.  Kölnische  Zeitung  Nr.  284  vom  15.  März  1910,  Die  Bergarbeiterlöhne ­
  im  Ruhrrevier.
2 )  Im  Geschäftsbericht  der  Bergwerksgesellschaft  Hibernia  für  1909
wird  dies  ausdrücklich  hervorgehoben  und  nachgewiesen.