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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

waren,  als  1891,  und  somit  die  Lebenshaltung  im  Jahre  1907
wohl  erheblich  besser,  im  Jahre  1909  nicht  notwendigerweise
schlechter  war  als  1891.  Anders  jedoch  im  Saargebiet.  Hier
war  der  durchschnittliche  Jahresverdienst  1907  nur  um  4o/ 0
höher  im  Jahre  1909,  aber  noch  nicht  einmal  ganz  so  hoch
wie  1891;  die  Lebenshaltung  war  hier  selbst  1907,  im  Jahre
der  höchsten  Löhne,  sicher  wesentlich  schlechter  als  1891,
weshalb  hier  der  Rückgang  der  Löhne  in  den  beiden  folgenden ­
  Jahren  doppelt  schwer  empfunden  werden  mußte.
Wie  anderwärts  galt  auch  .sicherlich  bei  den  fiskalischen
Gruben  das  Bestreben,  die  Löhne  möglichst  niedrig  zu  halten,
aber  es  galt  anderseits  als  ein  nobile  officium,  die  Löhne
auch  bei  ungünstiger  Konjunktur  nicht  sinken  zu  lassen,
und  in  der  Tat  waren  hier  im  Gegensatz  zu  den  anderen  Bezirken ­
  die  Verdienste  1901  und  1902  etwa  ebenso  hoch  wie
1900.  Als  man  im  folgenden  Jahrfünft  mit  einem  wirtschaftlichen ­
  Aufschwung  abermals  im  Gegensatz  zu  den  übrigen
Bezirken,  von  einer  erheblichen  Steigerung  der  Löhne  im
Saargebiet  Abstand  nahm,  konnte  am  26.  Februar  1907  der
damalige  Handelsminister  im  preußischen  Abgeordnetenhause ­
  nicht  ohne  Berechtigung  erklären:
„Wenn  die  Arbeitgeber,  was  die  Privatindustrie  ja  viel
eher  kann  als  der  Staat,  in  ihren  Löhnen  der  Konjunktur
nach  oben  ohne  weiteres  folgen,  dann  ergibt  die  natürliche
Konsequenz,  daß  bei  einer  rückgehenden  Konjunktur  die
Löhne  auch  wieder  heruntergehen.  Wenn  man  aber,  wie  der
Staat  von  jeher  bestrebt  gewesen  ist  und  im  Saarrevier  hat
durchführen  können,  darauf  ausgeht,  die  Löhne  nicht  steigen
und  fallen  zu  lassen,  sondern  sie  möglichst  in  derselben  Höhe
zu  halten,  oder  doch  nur,  wenn  eine  Veränderung  eintritt,
sie  nach  oben  zu  verändern,  dann  ergibt  sich  daraus,  daß
wir  im  Saarrevier  nicht  die  Höchstlöhne  erreichen  können,
die  in  anderen  Revieren  und  speziell  im  Ruhrrevier  erreicht
werden.“
Inzwischen  hat  aber  nicht  nur  die  staatliche  Lohnpolitik,
sondern  es  haben  auch  die  staatlichen  Löhne  ihre  Stabilität
eingebüßt.  In  den  ersten  drei  Quartalen  des  Jahres  1909  war
der  durchschnittliche  Verdienst  der  Bergarbeiter  im  Saarrevier ­
  um  42  M.  geringer  als  im  gleichen  Zeitraum  im  Vorjahr. ­
  Als  daraufhin  der  Handelsminister  Sydow  im  Abgeord ­