IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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netenhause  aufgefordert  wurde,  eine  Wiedererhöhung  der
herabgesetzten  Löhne  zu  veranlassen,  erklärte  er  am
2.  März  1910:
„Die  Gestaltung  der  Löhne  muß  sich  bei  einer  staatlichen ­
  Verwaltung  ähnlich  wie  bei  Privatgruben  nach  der  allgemeinen ­
  Konjunktur  richten.  Ich  kann  nicht  aus  allgemeinen ­
  Wohlfahrtsrücksichten  für  die  staatlichen  Betriebe
die  Löhne  in  die  Höhe  setzen;  einmal  wäre  es  unwirtschaftlich ­
  und  dann  würde  ich  auch  für  die  Privatbetriebe  ein  sehr
schweres  Präjudiz  schaffen.“
Die  Arbeiter  im  Saargebiet  haben  sich  also  schlechter
gestanden,  als  die  in  anderen  Bezirken.  Zu  Zeiten  der  Hochkonjunktur ­
  sah  man  von  einer  Lohnerhöhung  ab  mit  dem
Versprechen,  bei  einer  Krisis  auch  keine  Herabsetzung  des
Lohnes  vorzunehmen,  um  dann  gleich  bei  der  nächsten  Krisis
plötzlich  zu  der  Ansicht  zu  gelangen,  daß  die  Bergarbeiterlöhne ­
  sich  nach  der  Konjunktur  zu  richten  haben.  Wäre
diese  neue  Lohnpolitik  nur  wenige  Jahre  früher  eingeschlagen
worden,  so  würden  die  staatlichen  Kohlenbergarbeiter  im
Saargebiet  nicht  verurteilt  sein,  gegenwärtig  zu  Bedingungen
zu  arbeiten,  die  ihnen  auch  nicht  entfernt  die  Lebenshaltung
gewährleisten,  die  sie  noch  vor  20  Jahren  führen  konnten.
Man  könnte  nun  vermuten  —  und  es  ist  dies  vielfach
geschehen  —  daß  die  Verschiedenheit  in  der  Lohnhöhe  auf
Unterschieden  in  den  Kosten  der  Lebenshaltung  beruhe.  Dies
ist  aber  nicht  der  Fall;  denn  im  Jahre  1907,  als  der  Abstand
der  Löhne  im  Saargebiet  von  denen  des  Ruhrgebiets  und  des
Aachener  Bezirks  am  größten  war,  waren  Rindfleisch,
Schweinefleisch,  Hammelfleisch,  geräucherter  Speck,  Weizenmehl ­
  und  Schweineschmalz  in  Saarbrücken  und  St.  Johann
teurer  als  in  Bochum,  Dortmund  und  Essen,  und  billiger  als
in  allen  diesen  drei  Städten  waren  von  den  in  der  preußischen
Statistik  aufgeführten  Waren  überhaupt  nur  Eßbutter,  Eier
und  gebrannter  Kaffee.  Selbst  im  Vergleich  mit  Aachen
weisen  die  Saarstädte  nur  in  bezug  auf  frisches  Fleisch,
Butter,  Eier  und  Kaffee  billigere  Preise  auf.
Die  Höhe  der  Lebensmittelpreise  im  Saargebiet  scheint
also  einen  geringeren  Lohn  dort  nicht  zu  rechtfertigen.