IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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sches  Programm  durchgeführt,  dessen  Bedeutung  selten  genügende ­
  Würdigung  findet,  sowohl  nach  der  günstigen
sozialpolitischen  als  auch  nach  der  ungünstigen  wirtschaftlichen ­
  Seite  hin.  Herbig  gibt  als  das  hervorstechende  Merkmal ­
  der  Saarbrücker  Arbeiterpolitik  an;  Stetigkeit  in  der  Aufwärtsbewegung ­
  der  Löhne,  Gleichmäßigkeit  der  jährlichen
Schichtenzahl,  langsame  und  stetige  Vergrößerung  der  Belegschaft ­
  ohne  Heranziehung  landfremder  Arbeiter.  Das
Typische  tritt  besonders  deutlich  bei  einem  Vergleich  mit
dem  Ruhrbergbau  hervor:  In  Westfalen  steht  beherrschend
im  Vordergrund  das  wirtschaftliche  Interesse;  nach  wirtschaftspolitischen ­
  Gesichtspunkten  regelt  sich  auch  die  Lohnfrage. ­
  In  Saarbrücken  dagegen  sind  die  Löhne  nicht  lediglich
das  Ergebnis  wirtschaftspolitischer  Überlegungen,  sondern
diese  treten  zuweilen  vor  sozialpolitischen  Rücksichten  zurück. ­
  Die  Lohnfrage  hat  im  Saargebiet  in  gewissem  Sinne
ein  selbständiges  Leben,  während  sie  im  normalen  Privatbergbau ­
  nur  im  engsten  Zusammenhang  mit  den  übrigen
wirtschaftlichen  Kalkulationen  behandelt  wird.  Die  westfälische ­
  Lohnpolitik  sucht  den  wirtschaftlichen  Bedürfnissen
möglichst  zu  entsprechen  und  paßt  sich  jeder  Veränderung
der  wirtschaftlichen  Lage  an.  Die  in  ihrer  Stetigkeit  starre
Saarbrücker  Lohnpolitik  entspricht  mehr  sozialen  als  wirtschaftlichen ­
  Forderungen  und  ist  nichts  weniger  als  anpassungsfähig. ­

In  Westfalen  ist  die  Spannung  der  Individuallöhne  größer
als  in  Saarbrücken,  und  schon  aus  diesem  Umstande  kann
man  eine  größere  Arbeitsleistung  bei  dem  westfälischen  Arbeiter ­
  vermuten.  Noch  schwerer  fällt  in  wirtschaftlicher  Beziehung ­
  ins  Gewicht  die  mangelnde  Anpassungsfähigkeit  des
Saarbrücker  Bergbaues  an  die  Konjunkturschwankungen.
Jeder  wirtschaftliche  Umschwung  trifft  mit  voller  Wucht
den  Steinkohlenbergbau,  die  Kraftquelle  aller  Industrie.  Bei
einem  Hochstand  möchte  der  Markt  die  Kohlenproduktion
am  liebsten  verdoppelt  und  verdreifacht  sehen,  während  in
schlechten  Zeiten  der  Steinkohlenbergbau,  drastisch  gesprochen, ­
  in  seinem  eigenen  Fett  ersticken  könnte.  Das
Kohlensyndikat  hat  die  elementare  Gewalt  dieses  wirtschaftlichen ­
  Wellenganges  durch  seine  Einwirkung  auf  die  Förderung ­
  und  die  Preise  in  allseitigem  Interesse  gemäßigt;  aber