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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

auch  so  gemildert  bleiben  die  Schwankungen  für  den  Steinkohlenbergbau ­
  eine  gegebene  Tatsache  von  schwerwiegender
Bedeutung.  Das  allgemein  wirtschaftliche  ebenso  wie  das
privatwirtschaftliche  Interesse  verlangen,  daß  die  Kohlenbergwerke ­
  bei  günstigem  Geschäftsgang  so  viel  als  irgend
möglich  den  gesteigerten  Anforderungen  des  Marktes  entsprechen. ­
  Betriebsmaßnahmen,  insbesondere  die  Verschiebung ­
  von  Arbeitern  aus  „unproduktiven“  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten ­
  in  die  „produktiven“  Abbaubetriebe,  steigern ­
  die  Förderung;  doch  bleibt  diese  noch  weit  hinter  der
Nachfrage  zurück.  Es  heißt  also:  entweder  Arbeitskräfte
über  den  normalen  Bedarf  hinaus  einstellen  oder  die  vorhandene ­
  Belegschaft  Über-  und  Nebenschichten  verfahren
lassen.  Diesen  Weg  geht  der  Ruhrbergbau.  Er  forciert,  soweit ­
  es  möglich  ist,  die  Belegschaftsvermehrung,  noch  über
die  normalen  Bemühungen  hinaus,  wozu  er  sich  in  erster  Linie
des  Mittels  der  Lohnerhöhung  bedient,  und  legt,  soweit  es  gestattet ­
  ist,  Über-  und  Nebenschichten  ein.  Indem  er  so  das
wirtschaftliche  Interesse,  das  aber  nicht  nur  sein  eigenes,
sondern  auch  das  der  Allgemeinheit  ist,  in  den  Vordergrund
stellt,  muß  er  sich  zu  einer  außerordentlichen  Steigerung  der
Schichtenzahl  in  der  Hochkonjunktur  entschließen.  Auf  diese
Weise  wird  in  einer  wirtschaftlich  rationellen  Form  die  Leistungsfähigkeit ­
  eines  Bergwerks  erheblich  gesteigert.  Der
Saarbergbau,  der  die  Löhne  nicht  so  steil  in  die  Höhe  gehen
lassen  will,  vermag  nicht  nur  keine  Leute  heranzuziehen,
sondern  er  verliert  gerade  in  der  Hochkonjunktur,  wo  jeder
Mann  doppelten  Wert  hat,  die  Leute,  die  sich  durch  die  nunmehr ­
  verhältnismäßig  sehr  viel  hohem  Löhne  der  Privatindustrie ­
  angelockt  fühlen  und  dem  Staatsbergbau  den  Rükken
  kehren.  Über-  und  Nebenschichten  werden  nicht  verfahren, ­
  so  daß  also  auch  die  Arbeitszeit  des  einzelnen  Arbeiters ­
  keine  Steigerung  erfährt.  In  der  Arbeitsleistung  darf
man  sogar  ein  Sinken  annehmen;  denn  ohne  auf  die  Streitfrage ­
  über  das  Verhältnis  von  Lohn  und  Leistung  einzugehen,
darf  man  schon  aus  der  statistisch  feststehenden  Tatsache,
daß  bei  guter  Konjunktur  die  Streiklust  und  das  willkürliche
Feiern  zunehmen,  den  Schluß  ziehen,  daß  die  Arbeiter  aus
ihrer  stärkern  Stellung  auch  insofern  Nutzen  ziehen,  als
sie  sich  während  der  Arbeitszeit  nicht  so  sehr  anstrengen