IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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menden  Berufsgenossenschaft  berechnet  wurde,  so  kann  man
diesen  Durchschnittslohn  sehr  wohl  zur  Beurteilung  der
Lohnverhältnisse  heranziehen,  da  Feierschichten  in  der  Eisenindustrie ­
  verhältnismäßig  viel  weniger  Vorkommen  als  im
Bergbau.
In  Oberschlesien  weisen  laut  Tabelle  die  Jahresdurchschnittslöhne ­
  in  einigen  Industrien  bei  den  kartellierten  oder
zum  Teil  kartellierten  Produkten  höhere  Löhne  auf,  als  bei
den  übrigen  Produkten.
Die  überaus  stark  kartellierte  chemische  Industrie  hat
ebenfalls  laut  Tabelle  ständig  steigende  Löhne  aufzuweisen.
Es  kann  nicht  daran  gezweifelt  werden,  daß  während  des
Bestehens  der  Syndikate  der  Kohlen-  und  Eisenindustrie  sowie ­
  der  chemischen  Industrie  eine  Steigerung  der  Löhne
und  damit  eine  Verbesserung  der  sozialen  Lage  der  Arbeiter
eingetreten  ist.  Eine  andere  Frage  ist  die  nach  der  Ursache
dieser  sehr  bemerkenswerten  Erscheinung.  Hier  ist  vor
allem  zu  beobachten,  daß  der  stetig  wachsende  Bedarf  an
männlichen  Arbeitern  an  den  Plätzen  der  Kohlen-  und  Eisenindustrie ­
  die  Nachfrage  nach  solchen  steigerte  und  damit  in
hohem  Maße  auf  eine  Lohnerhöhung  hinwirkte.  Daneben
erscheint  es  aber  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß  die  Syndikate
selbst  dazu  beigetragen  haben.  Sogar  von  einzelnen,  der  sozialdemokratischen ­
  Partei  angehörigen  Schriftstellern  werden
die  Kartelle  in  dieser  Beziehung  gar  nicht  übel  beurteilt.  So
schreibt  der  sozialdemokratische  Schriftsteller  Calwer 1 )  „Ganz
falsch  ist  die  Vorstellung,  als  ob  die  Kartelle  ihre  gemeinsame ­
  Macht  zu  einer  Regelung  der  Arbeiterverhältnisse
irgendwie  ausnützen.“  Weiterhin  fährt  er  fort:  „Da  ferner
kein  Beweis  erbracht  ist,  daß  die  Kartelle  die  Tendenz  des
Lohnniveaus  in  weichender  Richtung  beeinflussen,  vielmehr
unbestritten  ist,  daß  die  Kartellierung  wenigstens  die  Möglichkeit ­
  schafft,  aus  den  Erträgen  der  Erzeugung  den  Arbeitern ­
  höhere  Löhne  zu  gewähren,  so  ist  auch  vom  Standpunkte ­
  des  Arbeitsmarktes  die  kartellartige  Organisation
der  Industrie  ein  Fortschritt,  selbst  dann  ein  Fortschritt,
wenn  sich  zunächst  die  wirtschaftliche  Möglichkeit,  höhere
Löhne  bezahlen  zu  können,  noch  nicht  verwirklicht  hat.“
l )  Calwer,  Kartelle  und  Trusts,  p.  60  ff.
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