IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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Bedarfsartikel  des  Arbeiterkonsums,  Mieten  und  sonstige
Lebensbedürfnisse  gegenübergestellt  werden,  woraus  sich  sodann ­
  ergibt,  in  welchem  Grade  die  Konsumkraft  der  Arbeiterbevölkerung ­
  gewachsen  ist.
Die  Lohnerhöhungen  aber  haben,  auch  in  bezug  auf  die
Kaufkraft  des  Geldes,  ihre  Grenze,  über  die  hinaus  sie  nicht
nur  für  den  Betrieb  —  und  damit  mittelbar  wieder  für  den
Arbeiter  —  schädigend  wirken,  sondern  die  erstrebte  Wirkung, ­
  die  Lebenshaltung  zu  erhöhen,  direkt  verlieren.  Wohl
selten  ist  die  letztere  Tatsache  so  deutlich  geworden  als  in
den  vergangenen  Jahren.  Es  ist  sicher  in  gewissem  Maße  auch
der  starken  Lohnerhöhung  der  Arbeiterschaft  zu  danken,
daß  in  den  letzten  Jahren  die  Preise  für  Lebensbedürfnisse
so  hinaufgegangen  sind,  daß  andere  Kreise,  insbesondere
die  Beamten,  gleichfalls  auf  eine  Erhöhung  ihrer  Einnahmequellen ­
  bedacht  sein  mußten,  wenn  sie  nicht  in  ihrer  Lebenshaltung ­
  sinken  wollten.  Diese  neuen  Einnahmequellen  müssen
aber  wiederum  von  der  Allgemeinheit  aufgebracht  und  getragen ­
  werden;  sie  verursachen  zudem  ein  weiteres  Anziehen ­
  der  Preise,  verteuern  damit  die  Lebenshaltung  und
nehmen  so  auf  der  anderen  Seite  den  Betroffenen  zu  einem
großen  Teile  das  wieder,  was  sie  ihnen  auf  der  einen  Seite
zuwenden.
Während  nun  die  Preise  der  meisten  industriellen  Erzeugnisse ­
  zu  Beginn  des  Jahres  1908,  einer  Zeit  des  wirtschriftlichen ­
  Niederganges,  bereits  einen  zwar  langsamen
aber  stetigen  Rückgang  aufwiesen,  hielten  sich  die  Löhne
auf  der  bisherigen  Höhe,  was  auch  aus  den  beigefügten
Tabellen  hervorgeht.  „Daß  dagegen  die  Preise  der  für  den
Massenverbrauch  besonders  in  Frage  kommenden  Verbrauchsgegenständen ­
  im  allgemeinen  gar  nicht  oder  wenig
sinken,“  heißt  es  in  einem  Bericht  der  Bochumer  Handelskammer, ­
  „ist  bei  dem  hohen  Stand  der  Löhne  nicht  verwunderlich, ­
  denn  auf  das  Steigen  der  Löhne  ist  zumi  Teil
auch  das  Steigen  der  Warenpreise  zurückzuführen,  wie  auch
umgekehrt  letzteres  die  Lohnbewegung  beeinflußt  hat 1 ).
Leider  lassen  sich  nun  keine  ganz  zuverlässigen  Vergleiche ­
  der  heutigen  mit  der  früheren  Kaufkraft  des  Lohnes
*)  Jahresbericht  der  Handelskammer  zu  Bochum  für  das  Jahr  1907,
Teil  II,  p.  11.