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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

ziehen,  weil  hierzu  die  nötigen  Unterlagen  fehlen.  Ein  Vergleich ­
  der  Preise  des  einen  oder  anderen  Gebrauchsgegenstandes ­
  oder  einzelner  Lebensmittel  ist  nicht  ohne  weiteres
für  die  gesamten  Bedürfnisse  beweiskräftig.  Auch  muß  man
berücksichtigen,  daß  sich  die  ganze  Ernährungs-  und  Lebensweise ­
  der  Bevölkerung  im  Laufe  der  Zeit  geändert  hat.  Es
werden  heute  nicht  mehr  dieselben  Produkte  in  der  gleichen
Menge  von  den  Arbeiterfamilien  gebraucht,  wie  früher.
Durch  die  Anführung  von  Zahlen  über  die  Entwicklung  der
Preise  für  einzelne  Nahrungsmittel  wird  deshalb  sehr  leicht
nur  frrtum  erzeugt.  Wenn  man  die  Lohnverhältnisse  der
Arbeiter  der  letzten  Jahrzehnte  vergleicht,  kommt  man  leicht
zu  einem  Ergebnis,  das  die  heutige  Lage  der  Arbeiter  gegen
früher  zu  rosig  schildert.  Bei  einem  Vergleich  der  hohen
Löhne  von  Heute  mit  denen  früherer  Jahre,  muß  man  vor
allem  bedenken,  daß  die  Löhne  Ende  der  1870er  Jahre  bis  ungefähr ­
  zu  Ende  der  1880er  Jahre  im  Verhältnis  zu  den  Preisen
für  Lebensmittel  auffallend  und  außergewöhnlich  tief  standen,
ja  daß  zeitweise  geradezu  ein  Notstand  herrschte.  Die  geringen ­
  Löhne  jener  Zeiten  erklären  sich  daher,  daß  gegen
Ende  der  1870er  Jahre  tausende  Arbeiter  ganz  brotlos  waren.
Aber  selbst  die  Arbeiter,  die  Arbeit  hatten,  mußten  nicht
selten  wegen  des  geringen  Lohnes  und  der  Lebensmitteljpreise
mit  ihren  Familien  darben.  Mancher  Familienvater  wußte
trotz  fleißiger  Arbeit  seiner  Familie  kaum  das  Notwendigste
zu  beschaffen.  Aus  diesen  Gründen  erklärt  es  sich  auch,  daß
Tausende  ihrem  Vaterlande  den  Rücken  wandten,  um  im
Auslande  ihr  Brot  zu  suchen.
Solche  Zeiten  mit  derartigen  anormalen  Verhältnissen
können  aber  nicht  ohne  weiteres  zum  Vergleich  herange-  *
zogen  werden.  Es  muß  in  Betracht  gezogen  werden,  daß  jene
Zeiten  einem  großem  Teile  der  Arbeiterschaft  ein  menschenwürdiges ­
  Dasein  nicht  gestatteten.  Dann  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  die  Bevölkerung  Deutschlands  heute  unstreitig
auf  einer  höheren  Kulturstufe  lebt  wie  früher,  weshalb  sie
sich  viele  Bedürfnisse  angewöhnt  hat,  die  sie  noch  vor  50
Jahren  nicht  kannte.  Auch  der  industrielle  Lohnarbeiterstand ­
  hat  an  dieser  Entwicklung  teilgenommen,  auch  er  hat
heute  mehr  Bedürfnisse.  Trotzdem  geben  selbst  volkswirtschaftlich ­
  gebildete  Vertreter  der  sozialdemokratischen  Par ­