IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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tei  zu 1 ),  daß  die  Erhöhung  des  Einkommens  nicht  ganz  von
der  Erhöhung  der  Lebensmittelpreise,  der  Mieten  usw.  verschlungen ­
  worden  ist  und  ein  Teil  zur  Verbesserung  der  Lebenshaltung ­
  verwendet  werden  konnte.  Dennoch  erklären
sie  aber  die  ,wirtschaftliche  Lage  der  Arbeiter  auch  heute
noch  nicht  für  befriedigend,  denn  sie  lasse  noch  manches
und  stellenweise  noch  sehr  vieles  zu  wünschen  übrig.  Unsere
Lohnarbeiter,  heißt  es  da,  kämen  selbst  heute  trotz  ihrer  zuweilen ­
  recht  schweren,  aufreibenden  und  gewinnbringenden
Arbeit  mit  ihrem  Lohn  nur  eben  von  einem  Tag  zum  anderen,
sie  kämen  nicht  in  Verlegenheit  Reichtümer  zu  erwerben  oder
große  Ersparnisse  Jmachen  zu  können.  Ja,,  nicht  selten  müßten
selbst  heute  noch  Arbeiter  darben  und  die  Löhne  wiesen
große  Verschiedenheiten  auf.  Wenn  schon  die  Durchschnittslöhne ­
  mancher  Bezirke  einen  ganz  kläglichen  Eindruck  machten, ­
  so  könne  sich  jeder  selbst  vorstellen,  wie  es  mit  den
niedrigsten  Löhnen  aussähe *  2 ).
Zweifellos  machte  sich  nun  in  den  letzten  Jahren  eine
allgemeine  Teuerung  bemerkbar,  die  in  Erhöhungen  der  Lebensmittelpreise ­
  und  der  Wohnungsmieten  ihren  Ausdruck
fand.  Man  kann  aber  wohl  annehmen,  daß  die  bedeutenden
Lohnsteigerungen  die  Teurung  doch  mehr  als  ausgeglichen
haben,  daß  mithin  dem  Arbeiter  sein  Anteil  an  der  günstigen
Konjunktur  nicht  vorenthalten  worden  ist  und  zwar  nicht  zuletzt ­
  auf  Qrund  der  bestehenden  Kartelle  in  unserer  Montanindustrie. ­
  Immerhin  ist  die  Lebensmittelteuerung  eine  so
hohe  gewesen,  daß  ein  erheblicher  Teil  des  Arbeitslohns  von
ihr  aufgesaugt  wurde  und  dem  Arbeiter  einen  kleineren
Nutzen  ließ,  als  das  gewaltige  Ansteigen  des  Lohnes  in  den
letzten  Jahren  auf  den  ersten  Blick  erwarten  läßt 3 ).
*)  LF.  a.  Calwer;  auch  der  Vorwärts  in  Nr.  23  vom  28.  Januar  1909,
worauf  ich  noch  zurückkomme.
2 )  Vgl.  die  Ausführungen  über  die  Lage  der  Bergarbeiter  bei  H.
Imbusch,  p.  16,  100,  106,  107.
3 )  Einzelne  Arbeitgeberblätter,  deren  Interessentenkreis  an  niedrigen
Preisen  für  Nahrungsmittel  naturgemäß  ein  großes  Interesse  hat,  denn
hohe  Lebensmittelpreise  geben  immer  Anlaß  zu  Forderungen  nach
höheren  Löhnen,  haben  sich  im  Jahre  1906,  das  durch  seine  Teuerung
besonders  auffällt,  in  scharfer  Weise  über  die  vermeintlichen  Ursachen
derselben  geäußert.  Ohne  sich  ganz  mit  ihnen  zu  identifizieren,  sollen
hier  einige  Auslassungen  angeführt  werden.  Die  Deutsche  Bergwerkszeitung ­
  erklärte  am  9.  September  1906:  „Durch  seine  (Podbielskis)
rücksichtslose  Politik  zugunsten  der  Agrarier,  die  keinerlei  Entgegen ­