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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

Jahr  1901  als  Ausgangspunkt,  so  ist  der  Minimallohn  bis
1906  um  zirka  22,3  das  Warenpreisniveau  aber  nur  um  7,2
resp.  mit  einem  Zuschlag  für  ein  stärkeres  Ansteigen  der
Detailpreise  um  rund  9,5o/o  gewachsen,  so  daß  die  Steigerung ­
  des  Reallohnes  13,8  oder  im  Durchschnitt  eines  Jahres
2,76  o/o  beträgt.
Man  stelle  aber  nun  der  Arbeiterschaft  einmal  die  Privatbeamten ­
  gegenüber,  ob  diese  sich  im  Durchschnitt  in  den
12  Jahren  um  12—13o/o  verbessert  haben.  Das  dürfte  wohl
kaum  der  Fall  sein.  Im  Gegenteil,  das  Überangebot,  besonders ­
  in  den  Großstädten,  wird  eher  eine  Verschlechterung
als  eine  Besserung  der  Gehaltsverhältnisse  bewirken.
Da  in  den  vorstehenden  Berechnungen  über  die  Entwicklung ­
  des  Reallohnes  die  Kosten  für  Wohnung  nicht  berücksichtigt ­
  worden  sind,  sei  noch  eine  zweite  Ermittelung  des
Reallohnes 1 ),  die  den  Lohn  nach  Abzug  der  Kosten  für  den
notwendigen  Lebensunterhalt  einschließlich  des  Aufwands  für
Wohnung  umfaßt,  zum  Vergleich  herangezogen.  Danach
mußten  für  Lebensunterhaltung  und  Miete  durchschnittlich
von  ihrem  Lohn  aufwenden:

1890

1907

Handwerksgehilfen

62,7  o/o

Fabrikarbeiter  über  16

Jahre  .  .

.  .  .  90,6  o/o

75,3  °/o

Zuschneider  ....

.  .  .  55,3o;o

45,2o/o

Für  Kleidung,  Vergnügungen

und  Kulturzwecke

blieben  also  von  ihrem

Lohne  durchschnittlich:

1890

1907

Handwerksgehilfen

37,3o/o

Fabrikarbeiter  über  16

Jahre  .  .

.  .  .  9,4o/o

24,7o/o

Zuschneider  .  .  .  .

54,8  °/o

Aus  diesen  Zahlen  geht  hervor,  wie  für  Lebenshaltung
und  Miete  im  Jahre  1907  weit  weniger  beansprucht  wurde  als
im  Jahre  1890,  und  daß  für  Kleidung,  Vergnügungen  und
sonstige  Kulturzwecke  im  Jahre  1907  ein  weit  höherer  Prozentsatz ­
  des  Lohnes  frei  blieb  als  im  Jahre  1890.
Im  Vergleich  mit  dem  Lohnstande  von  1890  hat  sich
allerdings  nur  eine  unwesentliche  Steigerung  des  relativen
Lohnes  ergeben.  Bestehen  bleibt  aber  doch  die  erfreuliche
Tatsache,  daß  sich  während  des  großen  industriellen  Aufschwunges ­
  auch  die  Lebenshaltung  der  Arbeiter  bedeutend

’)  In  dem  Werke  von  Dr.  Rehe,  Die  Schuhgroßindustrie,  Jena  1908.