IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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gehoben  hat.  Eine  Feststellung,  die  selbst  der  „Vorwärts“
anerkennt,  indem  er  schreibt 1 ),  daß  die  Zahlen  für  1907
zeigten,  wie  sich  der  relative  Lohn  gegenüber  1890  wesentlich ­
  gehoben  habe.  So  geben  also  selbst  sozialistische  Blätter
durch  Anerkennung  der  statistisch  nachweisbar  steigenden
Anteilnahme  der  Arbeiterschaft  an  dem  volkswirtschaftlichen
Gewinn  mittelbar  zu,  daß  trotz  der  Verelendungstheorie  des
Marxismus,  eine  tatsächliche  Steigerung  des  Reallohnes  der
Arbeiter  zu  verzeichnen  ist.
Der  steigende  Wohlstand  unserer  gesamten  Bevölkerung ­
  und  damit  in  erster  Linie  der  einen  so  großen  Prozentsatz ­
  ausmachenden  Arbeiterschaft  läßt  sich  auch  durch  die
starke  Konsumsteigerung  bei  Fleisch  und  Weizen  pro  Kopf
der  Bevölkerung  nachweisen.  Der  Verbrauch  von  Weizen
betrug  pro  Kopf  in  den  Jahren  1884—1889  durchschnittlich
56,6  kg,  1907  97  kg;  Rindfleisch  in  Sachsen  1885  12  kg,  1902
15,5  kg;  Schweinefleisch  1885  20,4  kg,  1902  23,3  kg  pro  Kopf,
in  Preußen  1863/67  18  kg,  1897  37  kg,  1904  48,82  kg,  1907
50,06  kg.  Ferner  sei  noch  auf  die  Steigerung  der  Sparkasseneinlagen ­
  hingewiesen,  während  nämlich  1886  4  Milliarden
eingezahlt  waren,  standen  1907  14  Milliarden  Mark  an  Einzahlungen ­
  zu  Buche.
Man  könnte  aber  auch  den  Beweis  dafür,  daß  die  gewerblichen ­
  Löhne  in  höherem  Maße  gewachsen  sind,  als  die
Lebensmittel  sich  verteuert  haben,  quasi  indirekt  bringen,
indem  man  nämlich  die  steigenden  Mitgliederbeiträge  der
sozialdemokratischen  freien  Gewerkschaften  zugrunde  legt *  2 ).
Dieser  Mitgliederbeitrag  betrug  im  Durchschnitt  pro  Kopf:
1891  =  6,68  M.
1900  =  13,69  M.
1907  =  27,35  M.
Den  Gewerkschaften  würde  es  wohl  nicht  möglich  gewesen ­
  sein,  in  dieser  Weise  die  Genossen  „einzuschätzen“,
wenn  der  Verdienst  im  Jahre  1907  noch  der  gleiche  gewesen
wäre  wie  im  Jahre  1891.  Wenn  die  Arbeitslöhne  nicht  ge] ­
 )  Der  Vorwärts,  Nr.  23  vom  Januar  1909.
2 )  Diese  Erhöhung  der  Mitgliederbeiträge  ist  allerdings  auch  darauf ­
  zurückzuführen,  daß  der  Organisationsgedanke  unter  den  Arbeitern
mehr  und  mehr  an  Boden  gewonnen  hat,  und  diese  sich  eine  solche  Erhöhung ­
  der  Beiträge  gefallen  lassen.  Die  höheren  Beiträge  wurden  aber
wiederum  nötig  wegen  der  größeren  Anforderungen  für  Streikunterstützungen ­
  während  der  letzten  Jahre.