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IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

stiegen  wären,  hätten  die  Arbeiter  diese  riesige  Besteuerung, ­
  die  in  16  Jahren  über  das  Dreifache  gewachsen  ist,
nur  unter  bedeutender  Einschränkung  ihres  Lebensunterhaltes ­
  für  die  Gewerkschaften  aufbringen  können.  Da  aber
die  Gewerkschaften  auch  die  wirtschaftliche  Hebung  ihrer
Mitglieder  zum  Ziele  haben,  werden  sie  doch  sicherlich  keine
Opfer  verlangen,  die  sich  die  Arbeiter  am  Munde  absparen
müßten.  —
Alle  diese  Zahlen  beweisen,  daß  der  gewaltige  Fortschritt ­
  unserer  Industrie  in  den  letzten  Jahren  seine  Wirkungen ­
  auch  bei  den  Arbeitern  in  hervorragendem  Maße
geltend  gemacht  hat.  Mit  dem  Aufschwünge  der  Industrie
hat  sich  die  Lebenshaltung  des  Arbeiterstandes  ganz  wesentlich ­
  gehoben;  „Es  kann  keinen  unterrichteten  Gewerkschafter ­
  geben,“  heißt  es  in  den  „Sozialistischen  Monatsheften“ ­
 1 ),  „der  die  Hebung  der  Lebenslage 1  der  Arbeiterklasse, ­
  soweit  sie  von  der  Organisation  erfaßt  oder  beeinflußt ­
  ist,  leugnet.  Die  Verelendungstheorie  ist  auch  nicht
durch  den  Hinweis  auf  die  Verteuerung  zu  retten.  Denn
selbst  diese  eingerechnet,  ist,  von  Schwankungen  abgesehen,
ein  Steigen  des  Realeinkommens  nicht  zu  bestreiten.“  Auch
das  „Zentralblätt  der  christlichen  Gewerkschaften“ *  2 )  stellt
sich  auf  denselben  Standpunkt,  und  die  „Holzarbeiterzeitung“ ­
 3 )  versteigt  sich  sogar  bei  dem  Nachweise  der  Lohnsteigerung ­
  und  Arbeitszeitverkürzung,  die  allerdings  von  dem
Blatte  allein  als  Verdienst  der  Gewerkschaften  in  Anspruch
genommen  wird,  zu  dem  Ausspruche:  „Fürwahr,  wir  haben
es  herrlich  weit  gebracht.“
Diese  Stellen  geben  also  alle  die  erhöhte  Lebenshaltung
der  Arbeiter  unumwunden  zu.  Wenn  sie  diese  Errungenschaft ­
  auch  lediglich  allein  dem  Wirken  der  Arbeiterorganisationen ­
  zuschreiben,  so  muß  doch  zugestanden  werden,  daß
der  fortwährenden  Agitation  dieser  Organisationen  in  der
Tat  kein  geringer  Anteil  an  diesem  Erfolge  gebührt.  Jedenfalls ­
  aber  verdanken  die  Arbeiter  diese  Besserung  ihrer  wirtschaftlichen ­
  Lage  nicht  zuletzt  den  Kartellen.  Denn  diese
haben  die  Rentabilität  der  kartellierten  Industrien  gehoben
] )  Sozialistische  Monatshefte,  3.  Juni  1909.
2 )  Zentralblatt  der  christlichen  Gewerkschaften,  19.  April  1909.
3 )  Holzarbeiterzeitung,  13.  März  1909.