IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

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niedrige  Löhne,  der  Arbeiter  will  naturgemäß  möglichst
hohe  Löhne.  Zwischen  beiden  bestehen  also  fortwährend
Reibungsflächen.  Der  Arbeiter  behauptet,  der  Lohn  sei  zu
niedrig  und  stehe  in  keinem  richtigen  Verhältnis  zum  Unternehmergewinn, ­
  die  Unternehmer  aber  vertreten  den  entgegengesetzten ­
  Standpunkt  und  betonen,  der  Arbeiter  erhalte ­
  genug  oder  schon  zuviel.
Es  ist  nun  eine  sehr  schwierige  Frage,  festzusteiten,
ob  der  den  Arbeitern  gezahlte  Lohn  in  einem  annehmbaren
Verhältnis  zum  Unternehmergewinn  steht.  Ihre  Beurteilung
ist  insofern  schwer,  als  dazu  eine  genaue  Nachweisung  der
Gewinne  erforderlich  ist.  Diese  Nachweisung  der  Gewinne
ist  aber  fast  unmöglich,  ja,  es  hält  schwer,  sie  auch  nur  annähernd ­
  richtig  wiederzugeben,  denn  bei  den  meisten  Werken ­
  weiß  man  noch  nicht  einmal  genau,  wie  viel  Geld  in  das
Unternehmen  hineingesteckt  ist,  welche  Summe  wirklich
werbend  angelegt  ist.  Dann  fällt  noch  die  Streitfrage  ins
Gewicht,  ob  das  wirklich  in  dem  Betriebe  investierte  Kapital
bei  der  Gewinnberechnung  berücksichtigt  werden  soll,  oder
aber  ob  der  Gewinn  nach  dem  jeweiligen  Kursstände  der
Aktien  und  Kuxen,  oder  aber  von  dem  vom  jeweiligen  Besitzer ­
  dafür  gezahlten  Kapital  zu  berechnen  ist.  Wohl  wäre
der  erste  Fall  der  richtige,  aber  andere  vertreten  die  Anschauung, ­
  und  nach  Lage  der  Dinge  wohl  auch  mit  Recht,
daß  der  zeitweilige  Kurswert  bei  der  Gewinnberechnung
zugrunde  gelegt  werden  muß,  wenigstens  „insoweit  in  dem
erhöhten  Kurs  eine  schon  seit  langen  Jahren  bestehende
höhere  Rente  zum  Ausdruck  kommt,  wo  ein  dauernder  Vermögenszuwachs ­
  vorliegt“ 1 ).  Auch  weisen  die  Unternehmer
mit  Vorliebe  darauf  hin,  daß  beispielsweise  der  Bergbau
früher  mit  großen  Verlusten  gearbeitet  habe,  dafür  müsse
doch  jetzt  eine  Entschädigung  erfolgen  und  könne  deshalb
selbst  ein  jetzt  verhältnismäßig  hoher  Gewinn  nicht  als  zu
hoch  bezeichnet  werden.
Man  kann  gewiß  nicht  bestreiten,  daß  unsere  Bergwerksindustrie ­
  tatsächlich  in  der  letzten  Hälfte  der  1870er  und  in
den  1880er  Jahren  einen  schweren  Stand  hatte.  Lange  Jahre
arbeiteten  viele  Gesellschaften  mit  einem  geringen  oder  gar
ohne  Gewinn,  andere  sogar  mit  Verlust.  Eine  eingehende
J )  Jüngst,  Arbeitslohn  und  Unternehmergewinn.
Utsch,  Kartelle  und  Arbeiter.

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