IV.  Kartell  und  Lohnverhältnisse.

161

ein  schwächeres  1908  in  Saarbrücken.  Das  Heruntergehen
der  Anteilsziffer  in  Zeiten  wirtschaftlichen  Hochstandes,  am
geringsten  im  Saarbezirk,  zeigt  sich  am  stärksten  im  westfälischen ­
  Bergbau;  hier  weisen  aber,  imi  Gegensatz  zu  den
beiden  anderen  Bezirken,  die  90er  Jahre  ein  fast  ununterbrochenes ­
  Ansteigen  auf,  das  sich  in  der  folgenden  Depressionsperiode ­
  1902/04  fortsetzt.  Das  Gesamtergebnis  zeigt  ein
langsames  Steigen  der  Anteilsziffer  für  den  Oberbergamtsbezirk ­
  Dortmund,  ein  schwächeres  Sinken  an  der  Saar,  ein
stärkeres  in  Oberschlesien.  Heute  nehmen  die  Arbeitslöhne
vom  Werte  der  produzierten  Kohle  in  Anspruch:  3 / ö  im  Ruhrgebiet, ­
  gut  2 / 5  bei  Saarbrücken  und  wenig  über  x / 3  in
Oberschlesien;  der  Abstand  zwischen  dem  Ruhrbezirk  einer-,
Oberschlesien  und  Saarbrücken  andrerseits  hat  sich  in
zwanzig  Jahren  ungefähr  verdoppelt.
Zusammenfassend  bemerkt  Lenz,  und  damit  die  Schlußbetrachtung ­
  Bosenicks  bestätigend,  daß  das  Ruhrgebiet  bei
starkem  Einfluß  der  Konjunktur  die  absolut  wie  im  Verhältnis
zum  Produktionswert  höchste  Summe  für  Löhne  auswirft,
Oberschlesien  hinsichtlich  des  Produktionswertes  wie  des
Arbeitslohnes  an  dritter  Stelle  steht,  Saarbrücken  bei  hohem
Produktionswert  eine  sehr  ruhige  Lohnentwicklung  zeigt.
Warum  in  einem  Falle  der  Lohnanteil  pro  Tonne  gestiegen ­
  ist,  in  den  anderen  um  soviel  niedriger  liegt,  dafür
sind  letzten  Endes  gewiß  auch  technische  Vorgänge  zu  berücksichtigen, ­
  was  aber  nichts  daran  ändert,  daß  diese  Untersuchung ­
  für  den  kartellierten;  Ruhrbezirk  günstig  ausfällt.
Nun  noch  einige  Angaben  über  die  Verhältnisse  im 1
Braunkohlenbergbau.  Bei  der  Braunkohlengewinnung  im
Oberbergamtsbezirk  Halle  erhöhte  sich  der  Schichtverdienst
der  unterirdisch  und  im  Tagebau  beschäftigten  Arbeiter  von
2,74  M.  im  Jahre  1888  auf  3,59  M.  im  Jahre  1908;  das  ist  eine
Steigerung  von  rund  35o/o,  bei  gleichzeitiger  Verkürzung  der
Schichtdauer  auf  9  Stunden.  Dagegen  ging  der  Durchschnittswert ­
  einer  Tonne  in  dem  gleichen  Zeitraum  von  2,40
auf  2,26  M.  zurück 1 ).
Im  rheinischen  Braunkohlenbergbau  sind,  wie  sich  aus
*)  Nach  Beisert,  Die  Kartelle  in  der  Braunkohlenindustrie,  soll
der  Lohn  im  Jahre  1888  nur  2,23  Mk.  betragen  haben,  wodurch  sich
bis  zum  Jahre  1908  eine  Lohnsteigerung  von  rund  60  °/o  ergebe.
Utsch,  Kartelle  und  Arbeiter.  11