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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

einzelnen  Unternehmungen  möglichst  vorteilhaft  abzusetzen.
Aus  analogen  Gründen  ist  weiterhin  die  Forderung  des  Maßhaltens ­
  in  ihren  Ansprüchen,  namentlich  auch  in  Zeiten  der
Hochkonjunktur,  dem  Arbeitnehmerverbande  gegenüber
genau  so  gut  gerechtfertigt,  wie  gegenüber  dem  Unternehmerzusammenschluß. ­

Der  Zusammenschluß  der  Arbeiter  läßt  sich  nun  vor
allem  deshalb  befürworten,  weil  mit  der  durch  die  Kartelle
geförderten  Entwicklung  des  Großbetriebes  auf  der  einen
Seite  eine  unverhältnismäßig  kleine  Anzahl  von  Kapitalisten
und  Unternehmern,  die  sich  am  Unternehmen  beteiligen,
einer  immer  größer  werdenden  Zahl  von  Arbeitskräften  gegenüberstehen ­
 1 ).  Das  beste  Beispiel  in  dieser  Hinsicht  bietet
die  Firma  Krupp,  welche  in  ihren  Gesamtbetrieben  rund
50000  Arbeiter  beschäftigt,  somit,  wenn  man  die  Familienmitglieder ­
  der  Arbeiter  hinzurechnet,  rund  225  000  Menschen
Nahrung  gibt.  Eine  solche  Machtvereinigung  in  einer  Hand
hat  man  in  den  früheren  Zeiten  nie  gekannt.  So  bestehen  auf
der  einen  Seite  kolossale  Unternehmereinkommen  und  auf  der
anderen  Seite  Scharen  von  Arbeitern,  die  allerdings  viel
besser  bezahlt  werden  als  früher,  besser  als  ihre  Väter  und
Großväter.  Auf  der  anderen  Seite  muß  man  sich  fragen:
Wieviel  anders  steht  heute  der  Unternehmer  da  gegenüber
seinen  Vorfahren  ?  Man  denke  an  Krupp,  an  die  Stinnes,
Thyssen,  und  andere  Großindustrielle!  Wie  war  es  dagegen
im  Durchschnitt  im  Mittelalter  bei  den  Zünften  bestellt  ?  Da
standen  sich  Meister,  Gesellen  und  Lehrlinge  gesellschaftlich ­
  so  ziemlich  gleich,  sie  zählten  zu  derselben  ökonomischen
und  bürgerlichen  Gesellschaftsklasse.
Die  Gewerbefreiheit  hat  nun  eine  scharfe  Konkurrenz
unter  den  Unternehmern  hervorgerufen,  welche  wiederum  die
Ursache  der  Kartellierung  der  Unternehmer  geworden  ist.
Die  Unternehmer  vereinigen  sich  also,  um  die  Konkurrenz
unter  sich  mehr  oder  weniger  auszuschließen.  Aber  dabei
ist  eine  Hauptvoraussetzung  unseres  ganzen  modernen,  so-*)
  Vgl.  die  Ausführungen  Adolf  Wagners  in  seinem  Vortrage  über
die  Kartellierung  der  Großindustrie  und  ihr  Einfluß  auf  die  Arbeiter,
in  der  Versammlung  des  christlichen  Oewerkschaftskartells  Essen  am
25.  März  1906,  ebenso  die  Berichte  über  diesen  Vortrag  in  der  „Kölnischen ­
  Zeitung“  und  in  der  „Kölnischen  Volkszeitung“,  beide  vom
26.  März  1906.