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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

Gegenüber  diesen  mehr  äußerlichen  Gründen  der  Berechtigung ­
  der  Arbeiterorganisation,  kommen  aber  weit
mehr  noch  in  Betracht  die  ökonomischen  Gründe,  die  auf
der  besonderen  Beschaffenheit  der  Ware  Arbeit  beruhen,
und  die  bereits  angedeutet  wurden 1 ).
Nach  der  klassischen  Nationalökonomie  wird  nur  immer
gerade  das  produziert,  wofür  eine  Nachfrage  besteht,  wofür
also  der  Käufer  einen  angemessenen  Preis  zu  zahlen  gewillt
ist.  Ist  keine  Nachfrage  mehr  vorhanden,  hört  auch  die
Produktion  auf.  Das  Gesetz  von  Angebot  und  Nachfrage
regelt  hier  also  selbsttätig  Art  und  Höhe  der  Produktion.
Ganz  anders  aber  verhält  es  sich  bei  der  Ware  Arbeit,  die  unabhängig ­
  von  der  Nachfrage  entsteht.  Ebensowenig  wie  der
Arbeiter  zur  Welt  gekommen  ist,  weil  auf  dem  Arbeitsmarkt
ein  Bedürfnis  nach  Arbeitskräften  vorhanden  war,  ebensowenig ­
  kann  er  von  der  Welt  verschwinden,  wenn  man  ihn
nicht  mehr  braucht.  Überall  da  aber,  wo  ein  Warenverkäufer
allein  nicht  imstande  ist,  seine  Waren  im  geeigneten  Momente ­
  vom  Markte  zurückzuziehen,  überall  da  tritt  an  die
Stelle  der  Prinzipe  der  freien  Konkurrenz  die  Koalition.  Diese
ist  es  dann,  die  auf  künstlichem  Wege  eine  Anpassung  des
Angebotes  an  die  Nachfrage  herbeizuführen  sucht.  Wie  wir
bereits  gesehen  haben,  sind  es  ganz  ähnliche  Gründe  gewesen, ­
  die  auch  den  modernen  Großindustriellen  zur  Kartellierung ­
  veranlaßt  haben.
Ein  anderes  Moment,  das  den  Arbeiter  zur  Koalition
Arbeiter  anerkennen,  auch  nicht  die  der  christlichen  Arbeiter,  weil  die
christlichen  Arbeiter  doch  schließlich  in  das  Fahrwasser  der  Sozialdemokratie ­
  einlenkten.  Diese  Behauptung  läßt  sich  doch  nicht  ohne
weiteres  aufrecht  erhalten.  Bei  der  Sozialdemokratie  muß  man  unterscheiden ­
  zwischen  den  Bestrebungen  ihrer  Qewerkvereinsorganisation
und  ihren  sonstigen  sozialdemokratischen  Bestrebungen.  Auf  gewerkschaftlichem ­
  Gebiete  sind  die  Bestrebungen  der  Sozialdemokratie  mit
denen  der  christlichen  Arbeiterorganisationen  in  manchen  Punkten  verwandt. ­
  Kirdorff  und  andere  haben  weiter  gesagt,  die  christlichen  Arbeiter ­
  segelten  unter  falscher  Flagge,  sie  seien  tatsächlich  sozialdemokratisch, ­
  die  christlichen  Organisationen  seien  eine  Art  Vorläufer  der
Sozialdemokratie,  seien  gewissermaßen  noch  gefährlicher  als  die  Sozialdemokratie, ­
  eben  weil  sie  sich  ein  christliches  Mäntelchen  umhingen.
Diesen  Schluß  kann  man  aber  gerechterweise  aus  der  Identität  gewerkschaftlicher ­
  Bestrebungen  auf  christlicher  und  sozialdemokratischer ­
  Seite  nicht  ziehen.
x )  Nachstehende  Ausführungen  beruhen  insbesondere  auf  Brentano, ­
  Arbeitergilden  der  Gegenwart,  Bd.  II,  Kap.  1.