V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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treibt,  ist  seine  regelmäßige  Armut.  Hätte  der  Arbeiter
nicht  den  Gewerkverein,  der  ihm  einen  finanziellen  Rückhalt
gewährt,  so  würde  ihn  seine  Armut  zwingen,  gerade  zu
den  schlechtesten  Bedingungen  zu  arbeiten.  Denn  bei  freier
Konkurrenz  bestimmt  der  schwächste  Arbeiter  den  Lohn.
Der  Arbeiter  unterwirft  sich  daher  um  dieser  materiellen
Hilfe  willen  gerne  den  Beschränkungen  und  Pflichten,  die
er  als  Entgelt  dafür  in  Kauf  nehmen  muß.  Man  hat  nun
gesagt,  der  Qewerkverein  nehme  dem  Arbeiter  durch  eben
jene  Pflichten,  die  er  ihm  auferlege,  das  Recht  des  freien
Entschlusses,  die  Verfügungsfreiheit  über  seine  Arbeitskraft
im  Sinne  des  Adam  Smith.  Der  Qewerkverein  beeinträchtige
also  die  individuelle  Freiheit.  Dem  muß  aber  entgegengehalten ­
  werden,  daß  diese  individuelle  Freiheit  in  der  Wirklichkeit ­
  kaum  besteht,  wenn  sie  nicht  Hand  in  Hand  geht
mit  einer  gewissen  wirtschaftlichen  Unabhängigkeit.  Denn
infolge  seiner  Mittellosigkeit  ist  der  Unorganisierte  in  seinen
Entschließungen  so  unfrei  wie  möglich.  Er  ist  abhängig
vom  Arbeitgeber,  aus  dessen  Händen  er  seinen  Lohn  empfängt. ­
  Man  müßte  also  eigentlich  eher  sagen:  erst  der  Qewerkverein ­
  verleiht  dem  Arbeiter  dadurch,  daß  er  ihm  einen
wirtschaftlichen  Rückhalt  gewährt,  die  wirkliche  Verfügungsfreiheit ­
  über  s  eine  Arbeit,  d.  h.  seine  individuelle  Freiheit.
Bei  den  Arbeiter-  und  Unternehmerverbänden  handelt
es  sich  um  Organisationen,  die  mit  analogen  Mitteln  analoge
Ziele  verfolgen.  Eine  alleinige  Verurteilung  der  Gewerkvereine ­
  erscheint  daher  einseitig  und  ungerecht.  Das  Kartell
bekämpft  seine  Outsider,  hält  das  Angebot  zurück  und  hält
die  Preise  hoch.  Die  Bekämpfung  der  Outsider  kann  für
die  Gesamtheit  nützlich  sein,  denn  es  ist  ein  Mittel  zur  Bekämpfung ­
  des  ruinösen  Wettbewerbes.  Produktionseinschränkungen ­
  sind  für  die  Gesamtheit  von  Vorteil,  denn  sie  sind
ein  Mittel  zur  Verhinderung  von  Überproduktion,  Preisfall
und  Krisen.  Hochhaltung  der  Preise  kann  ebenfalls  für  die
Gesamtheit  vorteilhaft  sein,  denn  diese  Preispolitik  erhält
die  Industrie  lebenskräftig  und  sichert  allen,  die  von  ihr
abhängig  sind,  ihr  Brot.  Auf  genau  dieselbe  Weise,  mit  denselben ­
  Argumenten,  können  auch  die  Gewerkvereine  ihre
Politik  verteidigen.  Auch  sie  können  sagen,  daß  sie  ihre
Outsider  bekämpfen  und  die  Arbeitsleistung  beschränken