V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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daß  sie  sich  —  gewiß  mit  Recht  —  gegen  eine  gesetzliche
Regelung  vulgo  Knebelung  des  Kartellwesens  aussprechen,
den  Arbeiterorganisationen  dagegen  nur  eine  Daseinsbetätigung ­
  im  Stile  der  Krieger-  oder  Gesangvereine  zubilligen ­
  wollen.
Wenn  es  nun  keinem  Zweifel  unterliegen  kann,  daß  die
Kartelle  die  Unternehmerstellung  im  Ringen  um  eine  erhöhte ­
  und  gesicherte  Rentabilität  sowohl  der  „Kundschaft“
wie  auch  den  „Arbeitern“  gegenüber  außerordentlich  gestärkt ­
  haben,  so  handeln  diese  Organisationen  sogar  direkt
unklug,  wenn  sie  sich  nicht  in  einer  gut  organisierten  Arbeiterschaft, ­
  nach  dem  Muster  der  englischen  Allianzen,
Bundesgenossen  werben  für  den  wirtschaftlichen  Kampf.  Die
heutigen  Pläne  zur  Förderung  einer  solchen  Entwicklung,
als  Reform  des  Berufsvereinsrechtes,  Schaffung  von  Arbeitskammern ­
  mit  Verhandlungszwang  für  beide  Parteien  und
ähnliche  Maßnahmen  sind  gewiß  geeignet,  die  Arbeiterorganisationen ­
  zu  stärken  und  damit  dem  englischen  Vorbild
der  ;„Allianzen“  den  Weg  zu  ebnen  oder  doch  wenigstens
zu  Tarifen  mit  gleitender  Lohnskala  zu  führen.  Bedingung
auf  seiten  der  Arbeitnehmer  aber  ist  hierfür,  daß  sie  ihre
heutige  unter  allen  möglichen  Haupt-  und  Nebeneinflüssen
stehende  Organisation  zu  der  einzig  und  allein  förderlichen
rein  wirtschaftlichen  Organisation  nach  englischen  Vorbilde
modeln.
Die  Forderung  der  Arbeiter  nach  Organisation  ist  aber
von  den  Kartellen  selbst  nicht  unwesentlich  unterstützt  worden, ­
  indem  sie  selbst  ihnen  glänzende  Beispiele  großzügiger
Organisation  gaben 1 ).  Im  allgemeinen  wird  man  hier  unbedingt ­
  eine  sehr  weitgehende  Rückwirkung  feststellen
müssen,  wie  das  auch  in  der  gesamten  Literatur  anerkannt
wird,  mit  Ausnahme  des  kleinen  Kreises,  der  hier  nichts
erkennen  und  noch  weniger  feststellen  will.  Zunächst  hat
bereits  Schoenlank,  der  bekannte  früh  verstorbene  sozialistische ­
  Gelehrte,  den  psychologischen  Zusammenhang  ganz
richtig  erkannt,  wenn  er  schreibt *  2 )  „Nicht  mit  Peter  und
1)  Vgl.  auch  Liefmann,  Kartelle  und  Trusts,  II.  Aufl.,  p.  62:  „Demgegenüber ­
  ist  aber  nicht  zu  verkennen,  daß  die  Organisationen  der
Unternehmer  doch  auch  den  Arbeiterkoalitionen  wieder  neuen  Antrieb ­
  zu  weiterer  Entwicklung  gegeben  haben  .  .  ■“
2 )  Schoenlank,  Die  Kartelle,  Archiv  für  soziale  Gesetzgebung  und
Statistik,  1890,  p.  536.