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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

Paul  hat  es  das  Kartell  zu  tun,  sondern  mit  den  Angehörigen
einer  Klasse,  deren  Bewegung  immer  mächtiger  anwächst.
Jeder  Ökonomische  Fortschritt  steigert  die  Solidarität  der
Arbeiterschaft.  Der  koalierte  Besitz  kann  sein  Haupt  nicht
stolz  und  stolzer  erheben,  ohne  daß  die  Energie,  das  Gefühl
der  Zusammengehörigkeit,  die  Einsicht  in  ihre  gesellschaftliche ­
  Lage  bei  den  proletarischen  Schichten  sich  potenziert.
Die  Kooperation  des  Kapitals  erzeugt  die  Kooperation  der
Arbeiter.“
Die  letzten  Jahre  haben  gerade  bei  unserer  deutschen
Industrie  —  als  dem:  Pionier  der  Kartellbewegung  —  erwiesen, ­
  Iwie  fördernd  diese  kapitalistische  Organisation  auf
die  der  Arbeiter  rückwirkt,  wie  die  Arbeitnehmer  an  jenen
Vorbildern  lernen  und  die  Kapitalorganisation  als  Vorbild  und
Schreckgespenst  verwerten.  In  dieser  Beziehung  haben  die
Kartelle  jedenfalls  außerordentlich  anregend  und  befruchtend ­
  auf  die  Stärkung  der  Arbeiterbataillone  gewirkt.  Zweifellos ­
  hätten  wir  noch  einen  viel  nachhaltigeren  wirtschaftlichen ­
  Einfluß  zu  verzeichnen,  wenn  wir  nicht  eine  so  unglückliche ­
  Durchtränkung  unserer  Arbeiterbewegung  mit  politischen ­
  und  vollends  hier  gar  nicht  hingehörenden  religiösen ­
  itMotiven  hätten 1 ).  Wäre  in  England  eine  ähnliche  Kar*) ­
  Leider  hat  in  Deutschland  die  Arbeiterbewegung  allzu  lange
vorwiegend  politischen  (revolutionären)  Charakter  getragen,  und  die  mit
ihr  entstehenden  Qewerkvereine  haben  sich,  wenigstens  in  der  überwiegenden ­
  Zahl,  niemals  wie  in  England  von  der  politischen  Partei
emanzipieren  können.  Vielmehr  war  hier  der  Verlauf  so,  daß  die  Sozialisten, ­
  als  sie  die  Werbekraft  der  Arbeiterfachvereine  erkannten,  solche
ins  Leben  riefen,  vor  allem  um  sie  ihren  politischen  Zielen  dienstbar
zu  machen.  Dabei  kam  für  sie  die  rein  gewerkschaftliche  Betätigung
dieser  Verbände  nur  in  zweiter  Linie  in  Betracht  und  bis  heute  ist
das  so  geblieben.  Der  Gewerkverein  ist  ihnen  nur  Mittel  zum  Zwecke.
Glücklicherweise  scheint  sich  aber  der  deutsche  Arbeiter  mehr
und  mehr  der  Taktik  seines  englischen  Kollegen  zu  nähern.  Wie
dieser  arbeitet  er  heute,  vielleicht  ohne  sich  selbst  darüber  klar  zu
werden,  an  der  möglichst  günstigen  Gestaltung  seiner  Lage  im  Rahmen
des  Bestehenden,  während  er  sich  durch  Klassenkampf  und  Zukunftsideale ­
  in  dieser  praktischen  Politik  nur  wenig  stören  läßt.  Insbesondere
ist  dies  bereits  bei  den  christlichen  Gewerkschaften  der  Fall,  die
hauptsächlich  eine  Änderung  des  Arbeitsverhältnisses  verfolgen.
Wird  diese  Änderung  der  gewerkschaftlichen  Taktik  genügenden
Umfang  erreichen,  so  wird  dies  für  den  oben  angedeuteten  wirtschaftlichen ­
  Einfluß  der  Kartelle  auf  die  Gewerkschaften  von  ganz  besonderer ­
  Bedeutung  sein.
(Vgl.  hierzu  Arthur  Ooldschmid,  Qewerkvereine  und  Kartelle,