V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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teilen!Wicklung  zu  finden,  wie  sie  unsere  Industrie  in  den
letzten  beiden  Jahrzehnten  geschaffen  hat,  so  würde  sich  die
Wirkung  auf  die  organisierte  englische  Arbeiterschaft  viel
stärker  gestaltet  haben,  als  dies  im  Verhältnis  bei  uns  der
Fall  gewesen  ist.
Insoweit  ferner  die  Kartellorganisation  die  materielle
Lage  der  Arbeiter  durch  bessere  Löhne  und  gleichmäßigere
Beschäftigung  stärkt,  hat  sie  auch  hierdurch  einen  unmittelbar ­
  förderlichen  Einfluß  auf  die  Gewerkschaften  der  Arbeitnehmer ­
  ausgeübt,  so  daß  für  die  großen  Syndikate  der
Ausspruch  Calwers 1 )  sicherlich  seine  Berechtigung  hat:  „Es
ist  mir  sogar  fraglich,  ob  die  Organisation  der  Bergarbeiter
im  letzten  Dezennium  eine  so  starke  Entfaltung  hätte  erfahren ­
  können,  wenn  nicht  die  Stetigkeit  der  Arbeitsgelegenheit
vorhanden  gewesen  wäre,“  die  er  als  eine  Folge  des  Kohlen-Syndikats
  mit  Recht  hinstellt.
In  der  Tat  sind  schwankende  Konjunkturen  auf  die  Entwicklung ­
  der  Gewerkschaften  von  großem  Einfluß.  Das
wird  aus  Gewerkschaftskreisen  selbst  zugestanden 2 ):  „Zu
einer  günstigen  Zeit  brauchen  die  Kapitalisten  Arbeiter;  ihnen
winkt  bei  flottem  Geschäftsgang  so  schönes  Geld,  daß  sie
nicht  durch  Kampf  und  Streik  gestört  werden  wollen,  sondern
lieber  sofort  Lohnforderungen  bewilligen.  Dann  dringt  die
gewerkschaftlich  organisierte  Arbeiterklasse  ohne  viel  Kampf
siegreich  vorwärts.  Bricht  aber  eine  Krise  herein,  dann  ist
das  Blatt  gerade  umgekehrt.  Durch  das  Zusammenbrechen
zahlreicher  Unternehmungen  häufen  sich  massenweise  die  Arbeitslosen, ­
  die  zu  jedem  Preis  Arbeit  suchen.  Werden  sich
p.  21  ff.  Dort  zitiert  ferner  die  ausführlichen  Aufsätze  von  Max  Prager
in  den  Süddeutschen  Monatsheften,  Mai-  und  Juniheft  1906,  „Gewerkschaftsbewegung ­
  und  Sozialdemokratie“,  p.  556—558  und  p.  652—653.
Prager  konstatiert  dort,  daß  die  Sozialdemokratie  „an  Einfluß  auf
die  Gedankengänge  der  organisierten  Arbeiter  fortgesetzt  verloren  und
mehr  und  mehr  begonnen  hat,  von  den  Ideen  der  Gewerkschaftsbewegung ­
  beherrscht  zu  werden“.  Die  ablehnende  Haltung  der  Gewerkschaften ­
  gegenüber  dem  politischen  Massenstreik  und  dem  Generalstreik
beweisen  ferner  die  Beschlüsse  des  V.  Gewerkschafts-Kongresses  zu
Köln  im  Mai  1905.  Ebenso  bemerkenswert  ein  Artikel  der  Münchener
Neuesten  Nachrichten  in  Nr.  295  vom  27.  Juni  1906,  ferner  die  sehr
instruktiven  Darlegungen  der  Frankfurter  Zeitung  Nr.  215,  222  und  223
vom  6.,  13.  und  14.  August  1906.)
J )  Calwer,  Sozialistische  Monatshefte,  1907,  p.  375.
2 )  Anton  Pannekoek,  Der  Kampf  der  Arbeiter,  p.  21.