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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

dann  auch  die  Organisierten,  die  einen  Rückhalt  an  der  Organisation ­
  haben,  nicht  zu  einer  Schleuderkonkurrenz  der
Arbeitskraft  hergeben,  so  sind  die  Nichtorganisierten  noch
ein  bedeutender  Prozentsatz,  besonders  in  ungelernten  Berufen, ­
  und  können  den  Lohn  schwer  drücken.  Aber  auch
davon  abgesehen,  muß  eine  Krise  in  der  Regel  Lohnherabsetzungen ­
  bringen.  Die  Kapitalisten,  denen  der  Zusammenbruch ­
  droht,  suchen  sich  durch  Lohnherabsetzungen  zu  halten, ­
  und  sie  wagen  oft  einen  verzweifelten  Kampf,  weil  ihnen
doch  sonst  der  Untergang  sicher  ist.  Die  Gewerkschaften
können  sich  dem  nicht  \vidersetzen,  und  sie  müssen  froh  sein,
wenn  es  ihnen  durch  eine  Reihe  fast  hoffnungsloser  Kämpfe
und  vorhergesehener  Niederlagen  gelingt,  einen  allzu  großen
Sturz  der  Lohnsätze  zu  verhindern.  So  wirft  jede  Krise  die
Arbeiterschaft  wieder  eine  Strecke  zurück  auf  dem  mühsam
erklommenen  Weg  oder  verhindert  das  Weitersteigen“ 1 ).
Die  Kartelle  aber  erstreben  und  nicht  immer  ohne  Erfolg  eine
Stetigkeit  in  der  Beschäftigung  und  versuchen  es,  die  Wirkungen ­
  der  Krisen  zu  vermindern.  Die  Gewerkschaftsbewegung ­
  erfährt  daher  eine,  von  den  Kartellen  allerdings
ungewollte,  Unterstützung  von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung. ­
  Es  sind  deshalb  die  scharfen  Angriffe 2 ),  die  zwei
christliche  Gewerkschaftssekretäre,  der  katholische  Giesbert
(Zentrum)  und  der  evangelische  Behrens  (Wirtsch.  Vg.),
gegen  das  Kohlensyndikat  richteten,  mit  der  Anklage,  „es  beJ ­
 )  Ebenso  berichtet  das  Korrespondenzblatt  der  Generalkommission
der  Gewerkschaften  Deutschlands.  Danach  hat  das  Jahr  1908  einen  erheblichen ­
  Rückgang  in  der  Mitgliederzahl  einer  großen  Anzahl  Organisationen ­
  gebracht  gegenüber  dem  Jahre  1907,  in  dem  eine  Zunahme
von  73  853  Mitgliedern  für  die  sozialdemokratischen  Gewerkschaften
zu  verzeichnen  war.  Dieser  Rückgang  der  Mitgliederzahl  wird  für
1908  auf  7—8000  Mitglieder  geschätzt.  Den  Grund  für  diese  Erscheinung
sucht  das  Qewerkschaftsblatt  allein  in  dem  wirtschaftlichen  Niedergang, ­
  Weiter  äußert  sich  die  Oeneralkommission  dahin,  daß  die  Rückgänge ­
  in  der  Mitgliederzahl  und  der  Einnahmen  während  der  wirtschaftlichen ­
  Depression  um  1908  nicht  in  dem  Maße  erfolgten,  als  dies  früher
in  Zeiten  tiefgehender  Konjunkturen  der  Fall  gewesen  sei.  Das  hat
aber  seinen  Grund  darin,  daß  der  letzte  wirtschaftliche  Niedergang  sich
nicht  zu  einer  regelrechten  Krisis  ausgewachsen  hat  und  nicht  zu  solchen
Störungen  unseres  Wirtschaftslebens  führte,  wie  dies  in  Zeiten  wirtschaftlicher ­
  Tiefkonjunktur  in  den  letzten  Jahrzehnten  zu  beobachten ­
  war.
2 )  Gelegentlich  der  Interpellationen  über  die  Kohlenteuerung  in
der  58.  Sitzung  des  Reichstages  vom  26.  November  1907.