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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

genüber  trotzdem  eine  nicht  gerade  unfreundliche  Stellung
einnähmen,  dies  daher  komme,  und  von  Rottenburg 1 )  schließt
sich  dem  an,  „daß  sie  dieselben  gleichsam  sub  specie  aeterni,
als  Übergangsgebilde  zu  neuen  vollkommeneren  Organisationsformen ­
  der  menschlichen  Wirtschaft,  betrachten“.  Qrunzel
 *  2  3  *  *  *  * )  möchte  dagegen  viel  eher  der  Ansicht  zuneigen,  „daß
die  Arbeiter  derartige  wirtschaftliche  Erscheinungen  nach
jenen  realen  Momenten  beurteilen,  deren  Erkenntnis  manchem ­
  deutschen  Kartellschriftsteller  durch  kathedersozialistische ­
  Vorurteile  verschlossen  wird.  Die  Arbeiterorganisationen ­
  könnten  ihre  Kartellfreundlichkeit  mit  rein  idealen
Beweggründen  vor  ihren  Mitgliedern  gewiß  nicht  rechtfertigen.

Das  Verhalten  der  Sozialdemokratie  scheint  aber  die
soeben  zitierte  Ansicht  von  Pohle  zu  rechtfertigen,  die  übrigens ­
  auch  in  der  sonstigen  Literatur  u.  a.  von  v.  Rottenburg 8 )
geteilt  wird,  daß  nämlich  die  Sozialdemokraten  deshalb  keine
grundsätzlichen  Gegner  der  Kartelle  sind,  weil  immer  mehr  in
ihren  Reihen  die  Überzeugung  zum  Durchbruche  gelangt,
daß  die  Kartellbewegung  Wasser  auf  die  Sozialistische  Mühle
ist.  Mit  einem  gewissen  Wohlwollen  stehen  die  Sozialisten
den  Kartellen  oft  nur  aus  dem  Grunde  gegenüber,  weil  sie  in
ihnen  ein  die  heutige  Wirtschaftsordnung  weiterführendes
Moment,  eine  Stufe  in  der  Fortentwicklung  des  Kollektivismus ­
  erblicken  und  in  dem  Glauben  leben,  daß  wir  damit
ihrem  Endziel  der  Expropriation  des  Besitzes  und  der  Verstaatlichung ­
  der  Produktionsmittel  näherkommen  —  ein  Vorgang, ­
  der  ihnen  durch  die  Konzentration  des  Besitzes  doch
wesentlich  vereinfacht  wird.  Aus  diesem  Grunde,  der  natürlich
hat  auf  diesem  Parteitage  einer  der  führenden  Genossen,  Schippei,
die  Kartelle  gegen  den  Verdacht  in  Schutz  genommen,  daß  sie  durch
Preistreibereien  die  Konsumenten  schädigten.
»)  von  Rottenburg,  Die  Kartellfrage,  p.  4.
2 )  Grunzei,  Über  Kartelle,  p.  127.
3 )  v.  Rottenburg,  Die  Kartellfrage,  p.  4:  „Selbst  diejenigen  Ge-,
nossen,  welche  in  den  Kartellen  einen  weiteren  Fortschritt  „in  der  Expropriierung ­
  aller  Besitzer  durch  das  Großkapital“  sehen,  sind  trotzdem ­
  gebunden,  derartigen  Assoziationen  das  Wort  zu  reden,  was  auch
in  der  Tat  geschehen  ist,  weil  sie  von  denselben  eine  Beschleunigung
der  Entwicklung  erhoffen  müssen,  welche  zur  Realisierung  ihres  Ideals
führt,  zu  dem  Expropriieren  der  Expropriateure  und  zu  der  Begründung
einer  kollektivistischen  Gesellschaftsordnung.