V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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für  die  sozialistischen  Theoretiker  größere  Bedeutung  hat
als  für  die  Politiker  und  die  Arbeitermassen,  scheint  ihnen
denn  der  Übergang  zum  Trust  in  der  deutschen  Volkswirtschaft ­
  oft,  wie  überhaupt  jede  Zunahme  des  sogenannten  Kapitalismus, ­
  erwünscht 1 ).
Die  Sozialdemokraten  weisen  darauf  hin,  daß  nicht  allein
von  Sozialisten,  sondern  auch  von  zahlreichen  bürgerlichen
Wortführern  in  Amerika  die  Forderung  der  Verstaatlichung
der  Trust  erhoben  werde.  „Zwar  ist  diese  noch  nicht  zur  Tatsache ­
  geworden,  heißt  es  an  einer  Stelle 2 ),  aber  die  Forderung ­
  beweist,  daß  jetzt  in  Amerika  diese  Industrie,  bisher
unbestrittene  Tummelplätze  privatkapitalistischer  Gründungen ­
  und  Unternehmungen,  für  den  Staatsbetrieb  reif  erachtet ­
  werden.  Das  nämliche  gilt  für  die  Kohlensyndikate  in
Deutschland.  Durch  die  Entwicklung  dieser  neuen  kapitalistischen ­
  Betriebsformen  zu  privaten  Monopolen  ist  die  Voraussetzung ­
  erfüllt,  die  nötig  ist,  um  sie  zu  öffentlichen  Mono-*)
  Der  Sozialismus  befürwortet  eine  zentralisierte  Leitung  der
verschiedenen  Produktionszweige,  für  deren  Möglichkeit  ihm  die  ständig ­
  voranschreitende  Zentralisierung  der  Produktion  als  Beweis  dient.
Auch  richtet  sich  die  sozialistische  Kritik  an  den  bestehenden  Verhältnissen ­
  nicht  mehr,  wie  ihr  Vorkämpfer  Lassalle,  gegen  die  „sinnlose ­
  Blindheit  unserer  Konjunkturen  und  deren  spekulative  Ausnutzung,
sondern  gegen  die  bewußte  Ausbeutung  der  Schwächeren  durch  starke
wirtschaftliche  Verbände“.  (Vgl.  Clara  Linzen-Ernst,  Konjunktur  und
Sozialismus,  p.  12.)
Schon  in  der  Zunahme  der  Aktiengesellschaften,  wodurch  in  unserer ­
  Wirtschaftsordnung  das  persönliche  Element  in  der  Unternehmung
mehr  und  mehr  verschwinde  und  die  Vergesellschaftung  aller  Produktionselemente ­
  angebahnt  werde,  glauben  sozialistische  Schriftsteller
einen  Morgenschimmer  des  Zukunftsstaates  zu  sehen.  Gegen  diese
Auffassung  wendet  sich  Wiedenfeld  im  Schmollerschen  Jahrbuch,  ebenso
an  Hand  genannter  Arbeit  die  Kölnische  Zeitung  in  Nr.  753  vom  9.  Juli
1910.  Es  wird  hier  im  Gegensatz  zu  jener  Auffassung  der  Sozialisten
festgestellt,  daß  im  heutigen  Produktionsprozeß  gerade  die  Persönlichkeit ­
  schlechthin  das  Entscheidende  geworden  ist.  Ebenso  bietet
Sombart  im  Novemberheft  1909  des  Archives  für  Sozialwissenschaft  und
Sozialpolitik  in  einer  Studie  über  den  kapitalistischen  Unternehmer
eine  Fülle  interessanter  Beobachtungen  über  die  „Seele“  der  volksund
  weltwirtschaftlichen  Betätigung  dar.  Um  den  Inhalt  dieses  Aufsatzes ­
  kurz  zu  skizzieren,  führe  ich  an,  daß  Sombart  nach  einer  Feststellung ­
  des  Begriffs  der  kapitalistischen  Unternehmung,  die  Entfaltung ­
  der  Erwerbsidee  behandelt  und  die  Verschiedenheit  der  Funktionen
des  kapitalistischen  Unternehmers  schildert,  um  dann  nach  einer  geistvollen ­
  Zergliederung  der  Typen  des  Unternehmers  und  des  Händlers
eine  Analyse  und  Genese  des  kapitalistischen  Geistes  zu  geben.
s )  Bei  Anton  Pannekoek,  Der  Kampf  der  Arbeiter,  p.  27.
Utsch,  Kartelle  und  Arbeiter.

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