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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

Sicher  Großbetriebe  zu  einer  einzigen  ungeheuren  gesellschaftlichen ­
  Wirtschaft  und  damit  die  Verwandlung  des
Staates  in  eine  Wirtschaftsgenossenschaft.  Die  kapitalistische
Produktion  hört  auf,  und  eine  neue  Produktionsweise  entfaltet ­
  sich,  begründet  auf  dem  Gemeineigentum  an  den  Produktionsmitteln. ­
  Oder  wenn  man  will,  die  alte  kommunistische ­
  Produktion  lebt  wieder  auf,  in  neuer,  der  Entfaltung
der  Produktionsmittel  entsprechender  Form.  Die  Warenproduktion ­
  und  das  Privateigentum  an  den  Produktionsmitteln ­
  sind  überwunden;  die  neue  Wirtschaftsgenossenschaft,
die  aus  dem  Staate  herauswächst,  besitzt  selbst  alle  Produktionsmittel, ­
  deren  sie  bedarf,  und  erzeugt  alles  für  sich
und  ihre  Mitglieder  im  wesentlichen  Notwendige  selbst" 1 ).
Das  ist  es,  was  die  Sozialdemokraten  erstreben.  In  den
Kartellen,  Syndikaten  und  Trusts  erblicken  sie  Gebilde,  die
ihre  Ideen  bereits  zu  einem  Teile  verkörpern  und  ihre  Absichten ­
  fördern.  Aus  diesem  Grunde  ist  es  auch  erklärlich,
wenn  Vertreter  der  Sozialdemokratie  und  deren  Presse  gelegentlich ­
  zu  Gunsten  der  Kartelle  Partei  ergriffen  und  manches ­
  zum  Lobe  der  Kartelle  ausgesprochen  haben.  Man
braucht  nur  daran  zu  erinnern  —  es  hat  s.  Zt.  genugsam  Verwunderung ­
  erregt  —  wie  Genosse  Hue,  einer  der  Leiter  des
sozialdemokratischen  Bergarbeiterverbandes,  im  Reichstage
das  Kohlensyndikat  gegen  den  Grafen  Kanitz  in  Schutz  genommen ­
  hat.  Ebenso  äußert  sich  u.  a.  die  „Metallarbeiter-Zeitung“
 *  2 ),  das  Organ  der  Metallarbeiter-Gewerkschaften,
mit  Hinweis  auf  die  Politik  des  Stahlwerksverbandes  dahingehend, ­
  daß  die  Syndikate  der  Industrie  zweifellos  Gebilde
technischen  und  wirtschaftlichen  Fortschritts  repräsentierten.
Sie  hätten  ihren  Teilnehmern  durch  Ausschaltung  der  Konkurrenz, ­
  Regelung  der  Absatzgebiete,  gemeinsamen  Verkauf
usw.  erhebliche  Vorteile  gebracht  und  durch  Kontingentierung ­
  der  Produktion  nach  Umfang  und  Art  der  Betriebe  auch
den  starken  Anreiz  zum  technischen  Ausbau  befördert.  Allerdings ­
  führt  das  Blatt  dann  weiter  aus,  daß,  wenn  man  den
Kartellen  auch  noch  eine  ganze  Reihe  anderer  Errungenschaften ­
  zuschreiben  könne,  sie  doch  nicht  die  Eigenschaft
] )  Karl  Kautsky  und  Bruno  Schoenlank,  Grundsätze  und  Forderungen ­
  der  Sozialdemokratie,  p.  25.
2 )  Metallarbeiter-Zeitung  vom  22.  Juni  1907.