V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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besäßen,  den  Krisen  vorzubeugen.  Es  ist  aber  in  dieser
Arbeit  darzustellen  versucht  worden,  daß  den  Kartellen  eine
wenn  auch  gerade  nicht  Krisen  vorbeugende,  so  doch  wenigstens ­
  eine  Krisen  mildernde  Wirkung  in  gewissem  Maße  innewohnt ­
  und  daß  dieses,  wie  auch  schon  ausgeführt  wurde,
gerade  eine  ihrer  wirtschaftlich  wertvollsten  Eigenschaften
ist,  die  auch  für  die  Arbeiterschaft  von  nicht  geringem
Nutzen  ist.
Auch  Richard  Calwer,  der  mit  Recht  als  einer  der  wissenschaftlich ­
  befähigsten  und  gründlichsten  Sozialdemokraten
gilt,  hat  die  Kartellierung  wirtschaftlich  und  sozial  als  einen
eminenten  Fortschritt  und  Segen  gepriesen  und  erklärt,  von
den  deutschen  Kartellen  könne  im  allgemeinen  nicht  behauptet ­
  werden,  daß  sie  das  Preisniveau  dauernd  und  willkürlich ­
  hinaufgetrieben  hätten 1 ).  Eine  gewiß  kühne  Behauptung,
die  von  einem  Sozialdemokraten  ausgesprochen,  sogar  verwunderlich ­
  klingt.  Auch  an  anderer  Stelle 2 )  hat  sich  Calwer ­
  bemüht,  seinen  Parteigenossen  klar  zu  machen,  „daß  die
kartellmäßige  Organisation  der  Produktion  .  .  .  von  der  Sozialdemokratie ­
  nicht  nur  begrüßt,  sondern  auch  nach  Möglichkeit ­
  gefördert  werden  müsste.“  An  derselben  Stelle  verwirft ­
  er  den  größten  Teil  der  Grundsätze  seiner  Genossen
und  rehabilitiert  das  von  ihnen  als  unfähig  verlästerte  bürgerliche ­
  Wirtschaftssystem.  In  unserem  Parteiprogramm,  so
sagt  er,  findet  sich  ein  Satz,  daß  die  Produktivkräfte  der
heutigen  Gesellschaft  über  den  Kopf  gewachsen  seien.  Dieser
Satz  hatte  zu  einer  Zeit,  in  der  die  kartellmäßige  Organisation ­
  der  Produktion  noch  gänzlich  fehlte  oder  auch  noch
im  allerersten  Anfangsstadium  begriffen  war,  seine  volle  Berechtigung. ­
  Heute  aber,  wo  man  sieht,  daß  die  kapitalistische ­
  Gesellschaft  aus  sich  selbst  heraus  eine  Regelung  der
Produktion  mit  Erfolg  anstrebt,  trifft  der  bezeichnete  Programmsatz ­
  nicht  mehr  zu.  Der  ganze  erste  Teil  des  sozialdemokratischen ­
  Programms  sei  eben  mehr  oder  weniger  auf
den  Folgerungen  basiert,  die  aus  der  wirtschaftlichen  Entwicklung ­
  der  kapitalistischen  Gesellschaft,  und  zwar  speziell ­
  in  England  bis  gegen  die  sechziger  Jahre  des  vergangenen ­
  Jahrhunderts,  herbezogen  sind.  Seitdem  aber  habe  der
] )  Richard  Calwer  in  seiner  Schrift  „Kartelle  und  Trusts“.
s )  Richard  Calwer,  Sozialistische  Monatshefte,  Mai  1937,  p,  371  ff.