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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

Kapitalismus  Formen  angenommen,  die  man  nicht  voraussehen ­
  konnte.  Namentlich  zeige  jedes  kapitalistische  Land
Besonderheiten,  die  die  wirtschaftliche  Entwicklung  sehr
stark  modifizieren,  so  daß  die  Forderungen,  die  aus  denen  des
einen  Landes  abgeleitet  werden,  nicht  ohne  weiteres  auf  die
eines  anderen  Landes  Anwendung  finden  dürfen.
Nach  Anführung  so  verständiger,  vom  orthodox-sozialdemokratischen ­
  Standpunkte  aus  allerdings  höchst  ketzerischer ­
  allgemeiner  Gesichtspunkte,  führt  Calwer  aus,  wie
unter  der  Ära  der  Gewerbefreiheit  und  der  freien  Konkurrenz ­
  in  der  Tat  die  Produktivkräfte  der  bürgerlichen  Gesellschaft ­
  über  den  Kopf  gewachsen  seien.  In  Zeiten  aufsteigender ­
  Konjunktur  wurde  die  Erzeugung  stets  in  ungesunder
Weise  vermehrt,  scharfe  Krisen  folgten.  Mit  dem  Entstehen
der  Großbetriebe  indes  suchte  man  sich  zu  einigen.  „Sobald
dieses  Streben  nach  gegenseitiger  Verständigung  auftritt,
ist  das  liberale  Ideal  der  Gewerbe-  und  Konkurrenzfreiheit
überwunden.  Damit  beginnt  eine  neue  Ära.  An  die  Stelle  des
individualistischen  Charakters  der  Produktionsweise,  der  notwendigerweise ­
  eine  Anarchie  in  der  Zunahme  der  Produktivkräfte ­
  bedingt,  tritt  ein  solidarisches  Prinzip  für  die  Produzenten, ­
  durch  das  eine  Regelung  der  Produktion,  eine  Beherrschung ­
  der  Produktivkräfte  angestrebt  und  bis  zu  einem
hohen  Grade,  auch  erreicht  wird:  Die  Produktion  wird  durch
Kartelle  organisiert.“
Calwer  bedauert,  daß  sich  dieser  Prozeß  „nur  äußerst
langsam  und  allmählich  vollziehe“.  Als  Sozialdemokrat  sucht
er  natürlich  den  Satz,  daß  wenige  große  Betriebe  beim
schließlichen  Sturz  der  bügerlichen  Gesellschaft  leichter  zu
expropriieren  sind  als  eine  Riesenzahl  kleiner  Existenzen,  in
die  sozialdemokratischen  Lehren  und  Ziele  einzupassen.
Er  möchte,  obwohl  oder  weil  er  eine  gründliche  Revision
des  jetzt  geltenden  Programms  in  dieser  Beziehung  verlangt, ­
  darlegen,  daß  schon  Marx  und  Engels  den  nun  von
der  wirklichen  Entwicklung  eingeschlagenen  Weg  ahnten
oder  vorzeichneten.  Es  wird  zu  diesem  Zwecke  auf  eine
Stelle  in  Marx’  „Kapital“  verwiesen,  wo  es  über  die  „Zentralisation ­
  der  Kapitalien“  heißt:  „Hand  in  Hand  mit  dieser
Zentralisation  oder  der  Expropriation  vieler  Kapitalisten
durch  wenige,  entwickelt  sich  die  kooperative  Form  des