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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

des  Kohlensyndikates  wesentlich  anders  beurteilen,  als  man
es  heute  tue.  Die  Tätigkeit  des  Kohlensyndikates  habe  nicht
nur  eine  Stetigkeit  in  der  Entwicklung  der  Förderung,  der
Preise  und  in  der  Versorgung  des  Konsums,  sondern  auch
den  Arbeitern  eine  gewisse  Sicherung  der  Arbeitsgelegenheit ­
  gebracht,  die  von  den  früheren  Zuständen  äußerst  vorteilhaft ­
  absteche.  Über  die  Politik  dieses  Syndikates  äußert
er  sich  also  außerordentlich  günstig.  Er  schreibt  hierzu  noch
wörtlich:  „Man  verfolge  nur  einmal  die  Entwicklung  des
Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikats,  und  man  kann  mit
Händen  greifen,  wie  die  Leiter  des  Kohlensyndikats  es  verstanden ­
  haben,  die  Erzeugung  zu  zentralisieren  und  planmäßig ­
  zu  gestalten,  wie  ferner  bei  dieser  Ordnung  der  Erzeugung ­
  der  gesellschaftliche  Charakter  an  Produktionsmittel
immer  stärker  hervortritt."  Vom  Standpunkte  eines  gewissenhaft ­
  arbeitenden  Vertreters  der  Arbeiterinteressen  gewiß
ein  günstiges  Urteil!  Es  ist  interessant,  wenn  Calwer  weiterhin ­
  feststellt  —  und  sein  Zeugnis  wird  als  von  einem
Parteigenossen  herrührend  um  so  mehr  gelten  müssen  —,  daß
unter  der  Herrschaft  des  Syndikats  „die  Löhne  im  rheinischwestfälischen
  Kohlenbergbau  sich  günstiger  entwickelt  haben,
als  in  anderen  Bergbaubezirken,  daß  zum  mindestens  aber
kein  ungünstiger  Einfluß  im  Vergleich  gegen  früher  festzustellen ­
  ist."
Wenn  nun  Calwer  zur  weiteren  Verteidigung  der  Kartelle
deren  sozialistischen  Charakter  hervorzukehren  sucht,  so.  wird
dieser  Gesichtspunkt  kaum  besonders  schrecken.  Denn  die
wirkliche  Entwicklung  vollzieht  sich  nicht  nach  sozialdemokratischen ­
  Theorien,  sondern  aus  den  bestehenden  Bedürfnissen ­
  und  Verhältnissen  heraus.  Und  wenn  Calwer  neben
der  großen  sozialpolitischen  Rückständigkeit  der  Kirdorf,
Stinnes  und  Thyßen  doch  den  Wert  dieser  Männer
für  die  sozialistische  Entwicklung  unserer  Wirtschaftsordnung
preist,  so  wird  er  sowohl  wie  die  ganze  öffentliche  Meinung
überzeugt  sein,  daß  diese  Männer  und  andere  Seiten  der
Kartellbewegung  durchaus  nicht  der  Sozialdemokratie  in  die
Hände  zu  arbeiten  wünschen  und  von  ihrem  Tun  ablassen
würden,  wenn  gegen  ihren  Willen  ein  solcher  Erfolg  einträte ­
 1 ).  Daß  dieses  schon  der  Fall  gewesen  ist,  kann  wohl
J )  Auch  von  Rottenburg  ist  der  Ansicht,  daß  diejenigen,  welche