V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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der  Arbeiterorganisationen  auszuüben  und  auch  ausgeübt
haben,  so  sind,  außer  der  nicht  ungünstigen  Beurteilung  durch
die  Sozialdemokratie,  Arbeiterorganisationen  sogar  für  die
Kartelle  eingetreten,  ja  Arbeiter  haben  bei  Gründung  oder
Gefährdung  von  Kartellen,  diesen  tatkräftige  Unterstützung
zuteil  werden  lassen.
So  äußert  sich  der  Vorsitzende  des  christlichen  Metallarbeiterverbandes, ­
  Wieber 1 ),  sehr  günstig  über  die  Kartelle.
Nach  einer  Schilderung  der  mißlichen  Zustände  während  der
sechsziger  und  siebziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts,  erklärt ­
  er,  es  sei  angesichts  dieser  Verhältnisse  unfaßbar,  daß
der  Gedanke  einer  Kartellierung  sich  nicht  früher  Bahn  gebrochen ­
  habe  und  verwirklicht  worden  sei,  wie  sich  z.  B.  jetzt
die  schwere  Industrie  im  Roheisen-Syndikat  und  Stahlwerkskartell ­
  zusammen  geschlossen  habe.  Man  möge  zu  den  Kartellen ­
  stehen  wie  man  wolle,  das  eine  sei  unbestreitbar,  sie  hätten
die  geradezu  verhängnisvolle  anarchistische  Schmutzkonkurrenz ­
  beseitigt,  unter  welcher  die  Werke  sowohl  als  auch  die
Arbeiter  zu  leiden  hatten,  und  stabilere  Produktionsverhältnisse ­
  herbeigeführt.  Auch  der  Gewerkverein  christlicher
Bergarbeiter 2 )  hat  an  der  Tätigkeit  des  Rheinisch-Westfälischen ­
  Kohlensyndikates  eine  Kritik  geübt,  aus  der  hervorgeht, ­
  daß  er  die  für  die  Arbeiter  wohltätigen  Wirkungen
des  Syndikates  vollauf  zu  würdigen  versteht  und  sich  auch
dazu  aufschwingen  kann,  mit  seinen  Erfahrungen,  die  er
nach  dieser  Richtung  gemacht  hat,  nicht  zurückzuhalten.
Über  die  Preispolitik  des  Syndikates  äußert  sich  dieser  Gewerkverein ­
  dahin,  daß  nicht  nur  wenige  Großbanken  und
Aktienbesitzer,  sondern  auch  weite  Volkskreise  an  ausreichenden ­
  Kohlenpreisen  interessiert  seien:  „Ein  erheblicher
Teil  des  deutschen  Volkes  bezieht  doch  direkt  oder  indirekt
sein  Brot  aus  dem  Kohlenbergbau.  Dieser  muß  auch  rentabel
sein,  um  ausreichende  Löhne  für  die  schwere  Grubenarbeit
zahlen  zu  können.“  Die  billigen  Auslandsverkäufe  werden
damit  gerechtfertigt,  daß  sie  geschähen,  um  den  Auslandsmarkt ­
  gegenüber  der  ausländischen,  insbesondere  englischen
Konkurrenz  zu  behaupten.  Ferner  „das  Kohlensyndikat  ver-J
 )  Franz  Wieber,  Der  Arbeiterschutz  in  der  gesundheitsschädlichen
und  schweren  Industrie  usw.,  p.  24.
*)  Qewerkverein  christlicher  Bergarbeiter,  Geschäftsbericht  für  1908.