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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

kauft  im  Auslande  billiger,  um  eben  die  Kohle,  die  in  Deutschland ­
  nicht  unterzubringen  ist,  los  zu  werden.  .  .  .  Vernünftigerweise ­
  kann  man  von  den  Grubenbesitzern  doch  nicht
verlangen,  daß  sie  bei  Eintritt  einer  Krise  Zehntausende  von
Arbeitern  entlassen  und  nur  mehr  so  viel  fördern,  als  sich
im  Inlande  unterbringen  läßt.“  „Alles  in  allem  genommen  hat
das  Kohlensyndikat  unstreitig  segensreich  gewirkt,“  äußert
sich  der  Gewerkverein  und  wehrt  die  Angriffe  verschiedener
Arbeiterblätter  wegen  früher  erfolgter  günstiger  Äußerungen
über  dieses  Syndikat  mit  den  Worten  ab:  „Wir  wollen  nicht
die  Henne  schlachten,  die  uns  die  Eier  legt,  wir  wünschen,  daß
die  Kohlenpreise  immer  so  stehen,  daß  den  Arbeitern  auskömmliche ­
  Löhne  gezahlt  werden  können.“
Die  Arbeiter  haben  ferner  auf  die  Ausbreitung  des  Kartellwesens ­
  dadurch  fördernd  gewirkt,  indem  sie  zuweilen  den
Unternehmern  eine  Kartellierung  zur  Hebung  ihrer  wirtschaftlichen ­
  Lage  vorschlugen  und  mitunter  sogar  einen
Zwang  zur  Bildung  eines  Kartells  ausübten.  Brentano 1 )  und
Liefmann *  2 ),  von  denen  ersterer  gewiß  den  Kartellen  in  vieler
Beziehung  sehr  kritisch  gegenübersteht  und  sicherlich  den
Unternehmern  nicht  allzu  freundlich  gesonnen  ist,  berichten,
daß  die  ersten  Kartelle  gar  nicht  von  Arbeitgebern,  sondern
im  Gegenteil  auf  Drängen  ihrer  Arbeiter  entstanden  sind.
Nach  ihren  Ausführungen  drängten  in  den  vierziger  Jahren
des  letzten  Jahrhunderts  englische  Grubenarbeiter  die  Unternehmer, ­
  Vereinbarungen  zu  treffen,  um  den  Konkurrenzkampf ­
  zu  beseitigen  und  auf  diese  Weise  den  Verkaufspreis
für  die  Fabrikate  erhöhen  zu  können.  Dadurch  wurde  es
möglich,  auch  von  Herabsetzungen  der  Löhne  Abstand  zu
nehmen.  Ebenso  kam  nach  Mitteilungen  von  Claudio-Jeannet
 3 )  und  Liefmann  1849  in  Frankreich  eine  Preisvereinbarung ­
  zwischen  den  bedeutendsten  Trikotagefabriken  auf
Veranlassung  ihrer  Arbeiter  zustande.
Wenn  nun  Liefmann  die  Prophezeihung  ausspricht,  daß
eine  Arbeiterorganisation  einen  Zwang  zur  Kartellierung  auf
! )  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd.  61,  p.  182/3;  ferner
in  den  Süddeutschen  Monatsheften,  April  1904,  p.  58.
2 )  Liefmann,  Die  Allianzen  usw.,  Jahrbücher  für  Nationalökonomie
und  Statistik  von  Conrad,  Bd.  75,  1900,  p.  464.
3 )  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd.  60,  Teil  II,  in
dem  Aufsatze  über  die  Kartelle  in  Frankreich.