V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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die  Unternehmer  ausüben  könnte,  so  führt  Tschierschky 1 )  ein
treffendes  Beispiel  hierfür  an,  indem  er  ausführt:  „Seit  Jahren
befindet  sich  die  Mittel-  und  Kleinindustrie  der  Walzengravieranstalten, ­
  die  ihre  Hauptstütze  im  Elsaß  und  in  Rheinland-Westfalen
  hat  (sie  stellt  in  „Ateliers“  Mustergravuren  auf
Kupfer-,  Stahl-  Und  Messingwalzen  für  die  Stoff-  und  Tapetendruckerei ­
  her),  in  einer  üblen  Lage,  weil  durch  starke,
erst  in  den  letzten  Jahren  in  den  letztgenannten  Provinzen
emporgekommene  Konkurrenz,  bei  gleichzeitigem;  relativen
Stillstand,  wenn  nicht  gar  Rückgang  der  Beschäftigung,  die
Rentabilität  stark  geschmälert  worden  ist.  Die  Arbeiter
dieses  als  „Kunstindustrie“  zu  bezeichnenden  Gewerbes,  die
fast  durchweg  als  gelernte  hochqualifizierte  „Kunsthandwerker“ ­
  anzusprechen  sind,  erfreuen  sich  ähnlich  ihrer  beruflich
auf  gleicher  Höhe  stehenden  Kollegen  vom  Buchdruck,  einer
leistungsfähigen  und  gut  disziplinierten  Organisation  von  internationaler ­
  Ausdehnung.  Dieser  internationale  Verband  hat
nun  seit  Jahren  eine  Anzahl  von  Grundforderungen  zur  Erleichterung ­
  seiner  Arbeitsverhältnisse  erhoben,  deren  prinzipielle ­
  Berechtigung  auch  die  Unternehmer  selbst  nicht  bestritten, ­
  ohne  daß  sie  jedoch  in  der  Lage  waren,  dieselben  in
dem  anerkannten  Umfange  angesichts  des  ungünstigen
Standes  ihrer  Unternehmen  zu  bewilligen.  Da  ventilierte
dieses  Frühjahr  (1907  U.)  die  Arbeiterorganisation  den  Gedanken ­
  auf  ihrer  Generalversammlung,  ihren  Arbeitgebern
die  Beihilfe  der  eigenen  Organisation  zur  Begründung  eines
Kartells  anzubieten.  Das  Kartell  ist  nun  in  der  Tat  Anfang
Dezember  (1907  U.)  unter  ständiger  Mitwirkung  des  Vorstandes ­
  der  Arbeitnehmerorganisation  zustande  gekommen,
obwohl  die  kartellorganisatorischen  Schwierigkeiten  bei  den
eigenartigen  technischen  und  wirtschaftlichen  Verhältnissen
dieser,  noch  eng  ans  Kunsthandwerk  grenzenden  Industrie,
recht  bedeutende  waren.  Als  mit  der  Leitung  und  Beratung ­
  der  Sitzungen  von  beiden  Parteien  Beauftragter
war  ich  (Tschierschky  U.)  mir  bereits  in  der  ersten  Sitzung
völlig  klar  geworden,  daß  dieses  Preiskartell  allerdings  nur
durch  Mitwirkung  der  Arbeiterorganisation  zu  gründen  und
zu  erhalten  war.  Ich  habe  dann  mit  der  Graveurorganisation
namens  des  Unternehmerverbandes  einen  Schutz-  und  Tarif-‘)

  Tschierschky,  Kartell-Rundschau,  1908,  p.  3.