V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

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dehnen;  ferner  zur  Vermeidung  einer  Übererzeugung  während
zweier  Monate  im  Sommer  den  Betrieb  stillzulegen.  Die
meisten  Glashütten  waren  für  die  Annahme  dieses  Abkommens, ­
  aber  bei  dem  bisher  stets  in  der  belgischen  Glasindustrie ­
  sichtbaren  Mangel  an  Einigkeit,  so  heißt  es,  kam  es
nicht  zu  einer  Verständigung,  so  daß,  da  die  Arbeiter  in
diesem  Falle  jede  Lohnermäßigung  ablehnten,  zu  den  alten
unverminderten  Lohnsätzen  weitergearbeitet  wurde.  Es  ist
gewiß  von  großem  Interesse,  daß  die  Arbeiter  ihren  Arbeitgebern ­
  mit  solchen  Vorschlägen  kamen  und  ihnen  quasi  eine
„Allianz“  anboten,  deren  Wesen  und  Bedeutung  noch  später
gewürdigt  werden  wird.
In  der  Solinger  Scherenfabrikation  gelang  es  ebenfalls
im  Anschluß  an  eine  Lohnbewegung  den  Bestand  eines  Fabrikantenvereines, ­
  der  anscheinend  auch  Kartellzwecke  verfolgt,
mit  Hilfe  einer  bestehenden  Arbeiterorganisation  zu  sichern 1 ).
Einige  Mitglieder  des  Scherenfabrikantenvereins  hatten  nämlich ­
  den  Tarif  der  Schleif  er  löhne  in  einzelnen  Punkten  eigenmächtig ­
  zu  unterbieten  versucht.  Der  Vorstand  des  Fabrikantenvereins, ­
  der  hierin  eine  Gefahr  für  das  ganze,  ohnehin
nicht  auf  Rosen  gebettete  Schleifergewerbe  erblickte,  legte
deshalb  zum  Zeichen  des  Widerspruches  sein  Amt  nieder.
Hierdurch  und  infolge  der  Reibungen  im  Gewerbe  drohte
schließlich  ein  Kampf  auf  der  ganzen  Linie  im  Solinger  Bezirk ­
  auszubrechen.  Durch  Verhandeln  zwischen  den  einsichtigen ­
  Mitgliedern  des  Scherenfabrikantenvereins  und  des
Schleifervereins  über  die  geplante  Kündigung  des  Preistarifs
gelang  es  aber,  eine  Verständigung  zwischen  beiden  Teilen
zu  schaffen,  die  nicht  nur  die  Gefahr  der  Tarifkündigung  beseitigte, ­
  sondern  Fabrikanten  und  Arbeiterorganisation  zu
einem  gemeinsamen  Vorgehen  gegen  die  Schmutzkonkurrenz
zusammenführte,  gegen  die  Konkurrenz,  bei  der  gewöhnlich
Preisdrückerei  und  damit  Hand  in  Hand  Lohndrückerei  ihren
Ausgang  nimmt.
Die  Arbeiterschaft  schenkt  somit  der  Kartellbewegung
keine  geringe  Aufmerksamkeit,  was  nicht  zum  wenigsten
auch  die  vielen  Fälle  beweisen,  wo  sie  nur  auf  das  Bekanntwerden ­
  eines  endgültigen  Abschlusses  eines  Kartells  wartete,
l )  Nach  einer  Mitteilung  in  der  „Sozialen  Praxis“,  1910,  Nr.  17,
Sp.  437.
Utsch,  Kartelle  und  Arbeiter.

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