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V.  Kartell  und  Arbeiterorganisation.

um  wegen  der  damit  zu  erhoffenden  günstigeren  Rentabilität ­
  der  betreffenden  Industrie  mit  höheren  Lohnforderungen ­
  an  die  Unternehmer  heranzutreten.  Wie  lebendig  das
Interesse  der  Arbeiter  an  einem  Kartell  sich  gestalten  kann,
geht  aus  der  Tatsache  hervor,  daß  es  vor  nicht  langer  Zeit
in  einer  Gablonzer  Glasfabrik  zu  Ausschreitungen  gekommen
ist,  weil  die  betreffende  Fabrik  aus  einem  Kartell  ausgetreten
war 1 ).  Die  Arbeiter  waren  lediglich  von  der  Erkenntnis  getrieben, ­
  daß  es  einer  kartellierten  Industrie  durch  die  damit
eintretende  Rentabilität  viel  mehr  ermöglicht  ist,  auch  ihnen
eine  bessere  wirtschaftliche  Lage  und  damit  eine  menschenwürdigere ­
  Lebenshaltung  zu  verschaffen.
Viele  Unternehmer  würden  gewiß  gern  höhere  Löhne
zahlen,  wenn  es  nur  die  wirtschaftliche  Lage  und  die  finanziellen ­
  Erträgnisse  ihres  Gewerbes  zuließen  oder  wenn  es  nur
ihre  Konkurrenten  auch  tun  wollten.  Hier  können  die  Arbeiterverbindungen ­
  eingreifen,  indem  sie  die  Unternehmer
veranlassen,  sich  zu  kartellieren,  der  Arbeiterschaft  aber  von
einem  eventuellen  Mehrgewinn,  durch  den  Fortfall  schädlicher ­
  Konkurrenz,  die  sich  vielfach  äußert  durch  Unterbietung, ­
  womöglich  unter  Preis  und  damit  allen  Verdienst
fortnimmt,  ebenfalls  einen  Vorteil  zu  gewähren.  Große  Arbeiterverbindungen ­
  können  in  dieser  Hinsicht  manche  Verbesserungen ­
  für  die  Gesamtheit  anregen  und  im  Notfall  erzwingen. ­
  Ein  friedlicher  Ausgleich  zwischen  Arbeit  und  Kapital ­
  wird  natürlich  stets  einem  erbitterten  sozialen  Kriege
mit  Verlusten  auf  beiden  Seiten  vorzuziehen  sein.
In  der  Tat  scheint  aber  in  dieser  Richtung,  durch  die
Mithilfe  der  Arbeiterschaft,  für  eine  ganze  Reihe  unserer
Industrien  ein  Weg  zu  führen,  der  ihnen  die  Möglichkeit  zu  vorteilhafter ­
  Kartellierung  weist.  Leider  aber  nehmen  bei  uns
noch  immer  gewisse  führende  Industriekreise  den  grundsätzlichen ­
  Standpunkt  ein,  mit  ihrer  organisierten  Arbeiterschaft
überhaupt  nicht  zu  verhandeln,  geschweige  denn  sich  von  ihr
die  Hand  zur  Beihilfe  zur  Kartellierung  reichen  zu  lassen!
Arbeiterorganisationen  auf  der  einen  Seite,  Unternehmerorganisationen ­
  auf  der  anderen  Seite  und  hier  insbesondere  —
*)  Nach  einer  Angabe  in  den  „Mitteilungen  des  Bundes  österreichischer ­
  Industriellen“  Nr.  7,  1907.