VI.  Kartei!  und  Arbeitsvertrag.

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VI.  Kapitel.
Kartell  und  Arbeitsvertrag.

Der  Einfluß  und  die  Bedeutung  der  Kartelle  auf  die  sonstigen ­
  Arbeitsbedingungen  hat  ebenso  wie  bei  den  Löhnen  in
der  Literatur  eine  verschiedene  Beurteilung  erfahren.  Pohle 1 )
vertritt  auch  in  dieser  Hinsicht  die  Meinung,  daß  die  Kartelle
für  die  Arbeiterklasse  eine  entschieden  ungünstige  Wirkung
ausüben.  Die  Kartelle  benachteiligten  die  Arbeiter  „beim
Verkauf  der  einzigen  Ware,  die  sie  anzubieten  haben,  nämlich
ihrer  Arbeitskraft,  indem  ihre  Aussichten  im  Kampfe  um  die
Arbeitsbedingungen  ungünstiger  werden,  wenn  sie  einem  Kartell, ­
  als  wenn  sie  einem  einzelnen  Unternehmer  gegenüberstehen“. ­
  Andere  Autoren,  wie  Qrunzel *  2 ),  wenden  sich  dagegen, ­
  nach  ihnen  können  die  Arbeitsbedingungen  durch  die
Kartellierung  eher  eine  Verbesserung  denn  eine  Verschlechterung ­
  erfahren.  Nach  Grunzei  sind  Verbesserungen  auf  dem
Gebiete  des  Arbeiterschutzes,  Reduktionen  der  Arbeitszeit,
Erhöhungen  der  Löhne  leichter  durchzuführen,  „wenn  sie  gemeinsam ­
  von  allen  oder  doch  den  maßgebendsten  Produzenten ­
  derselben  Branche  gleichzeitig  und  in  gleichem  Ausmaße ­
  vorgenommen  werden“.  Auch  Schmoller 3 ),  dessen  Ausführungen ­
  sich  übrigens  Qrunzel  völlig  anschließt,  vertrat
einen  ähnlichen  Standpunkt,  als  er  in  seinem  Resume  am
Schluß  der  Mannheimer  Beratungen  im  Verein  für  Sozialpolitik ­
  ausführte:  „Wir  dürfen  nicht  die  Kartelle  mit  kleinen
Betrieben  vergleichen,  wo  persönliche  Rücksichtnahme  möglich ­
  ist,  wir  müssen  das  Kartell  immer  mit  anderen  großen
J)  Pohle,  Die  Kartelle,  p.  113.
2 )  Qrunzel,  Über  Kartelle,  p.  141  und  142.
Ebenso  in  seinem  Werk:  „Industriepolitik“,  p.  65:  „Die  Ordnung
der  Produktion  .  .  .  verbessert  die  Arbeitsbedingungen.“  Auch  Liefmann,
  Kartelle  und  Trusts,  11.  Aufl.,  p.  65:  „Von  den  Kartellen  erkennen ­
  die  Arbeiter  immer  mehr,  daß  sie  ihnen  die  Erlangung  besserer
Arbeitsbedingungen  erleichtern.“
®)  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Bd.  61,  p.  236.