VII.  Kapitel.

Kartell  und  soziales  Emporsteigen  der
Arbeiter  sowie  wirtschaftlich  sozialer
Abstand  der  Klassen.

Die  Kartelle  haben,  wie  wir  gesehen  haben,  eine  Besserung ­
  der  kartellierten  Industrien  hervorgerufen  und  die  wirtschaftliche ­
  Lage  der  Arbeiterschaft  derselben  Industrien  hat
sich  gleichfalls  im  allgemeinen  wesentlich  gehoben.  Die  Arbeitgeber ­
  sagen  sogar,  daß  sie  sich  derart  gehoben  habe,  daß
der  ganze  Arbeiterstand  aufgerückt  sei  in  eine  Lage,  die  man
früher  als  Mittelstand  bezeichnet  habe,  es  sei  also  ein  neuer
Mittelstand  entstanden 1 ).  Diese  Auffassung  der  Arbeitgeber
von  der  Lage  der  Arbeiter  ist  wohl  etwas  zu  optimistisch  und
nicht  ganz  den  wirklichen  Verhältnissen  entsprechend.  Wohl
kann  von  einer  Proletarisierung  der  Arbeiter  nicht  gesprochen ­
  werden,  sondern  der  auskömmliche  Lohn  ermöglicht
es  dem  Arbeiter,  nicht  nur  seine  eigene  Lebenshaltung  zu
erhöhen,  sondern  zugleich  den  Grund  für  das  Aufsteigen
seiner  Kinder  in  eine  höhere  Volksschicht  zu  legen.  Die
Kinder  bekommen  eine  bessere  Schulbildung  und  können
hiernach  in  Stellungen  als  Aufseher,  Betriebsleiter  oder  sonstige ­
  Beamte  aufrücken.  Auf  diese  Weise  vollzieht  sich
in  den  nächsten  Generationen  in  gewissem  Maße  ein  Aufrücken ­
  in  höhere  Klassen,  wenn  auch  allerdings  ein  Selbständigwerden ­
  in  der  heutigen  kapitalistischen  Produktionsform ­
  mehr  denn  je  ausgeschlossen  ist.  Anderwärts  ist  nicht
zu  verkennen,  daß  das  Selbstbewußtsein  der  Arbeiter  erwacht
ist;  er  vertritt  seine  Interessen  privatim  und  in  der  Öffentlichkeit ­
  nicht  selten  mit  Geschick  und  Energie;  er  schafft
sich  oder  seinen  Vertretern  Eingang  in  die  städtische  Verwalx

 )  Vgl.  Mitteilungen  der  Hauptstelle  Deutscher  Arbeitgeberverbände, ­
  1909,  p,  150.