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VII.  Kartell  und  soziales  Emporsteigen  der  Arbeiter.

tung,  in  die  Parlamente,  in  Ehrenämter  usw.  Kurz  eine  Entwicklung, ­
  die  für  unsere  gesamte  Volkswirtschaft  durchaus
erfreulich  ist.  Denn  mit  dem  Aufsteigen  einzelner  Volksklassen ­
  steigt  auch  die  Wohlfahrt  der  Gesamtheit  und  mit
dem  wirtschaftlichen  Gedeihen  des  Volkskörpers  geht  ja  auch
die  politische  Bedeutung  des  Staates  Hand  in  Hand 1 ).
Immerhin  scheint  eine  völlige  Verschiebung  und  Umgestaltung ­
  der  sozialen  Stellung  des  industriellen  Lohnarbeiters
vor  sich  zu  gehen  und  zwar  ist  dies  allgemein  der  Fall,  wenn
auch  in  einzelnen  besonders  stark  kartellierten  Industrien
diese  Entwicklung  mit  besonderer  Schärfe  auftritt.  So  in
der  Eisenindustrie.  Wo  hier  früher  der  Kleinbetrieb
herrschte,  wo  ein  Puddelwerk  stand,  mit  einem  Meister  und
nur  wenigen  Gesellen,  steht  heute  ein  riesiges  Stahlwerk,
ausgestattet  mit  den  modernsten  Errungenschaften  unserer
Technik  und  mit  gewaltigem  Kostenaufwand  errichtet;  an
der  Spitze  steht  der  hoch  besoldete  Generaldirektor,  umgeben ­
  von  einem  Stab  auserwählter  Beamten,  unter  ihnen  ein
Heer  von  Lohnarbeitern.  Das  patriarchalische  Verhältnis
zwischen  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  früherer  Zeiten  ist
dahin.
Dem  industriellen  Lohnarbeiter  von  heute  ist  mit  zunehmender ­
  Entwicklung  der  Industrie  zum  Großbetriebe  ein
Selbständigwerden,  ein  Aufsteigen  in  die  Klasse  der  Arbeit] ­
 )  Auch  das  Verhalten  der  Arbeiter  bei  großen  Ausständen  lind
Aussperrungen,  das  immer  ein  Gradmesser  nicht  nur  für  das  Bildungsniveau ­
  der  Arbeiterklasse  an  sich,  sondern  für  unsere  fortschreitende
Kultur  überhaupt  ist,  beweist,  daß  unsere  Arbeiterschaft  in  sozialer
Hinsicht  im  Aufsteigen  begriffen  ist.  Noch  vor  15  und  20  Jahren  war
es  Regel  bei  größeren  Aus.ständen  und  Arbeiterbewegungen,  daß  die
öffentliche  Ordnung  und  Sicherheit  für  die  nicht  unmittelbar  beteiligten ­
  Staatsbürger  sehr  gefährdet  war.  Zusammenrottungen,  Überfälle
usw.  waren  an  der  Tagesordnung.  In  kurzer  Zeit  hat  sich  auf  diesem
Gebiete  unseres  öffentlichen  Lebens  ein  ungeheurer  Umschwung  vollzogen. ­
  Schon  der  Bergarbeiterausstand  im  Januar  und  Februar  1905
verlief  ohne  nennenswerte  Ausschreitungen.  Der  Parole  der  Arbeiterführer: ­
  „Die  Schnapsflaschen  aus  den  Taschen“  wurde  überall  Folge
geleistet.  Auch  bei  der  jüngsten  Massenaussperrung  im  Baugewerbe
war  die  Haltung  der  vielen  Tausende  ausgesperrter  Arbeiter  im  großen
und  ganzen  einwandfrei.  Einzelne  Ausschreitungen  bei  so  großen  Massen ­
  können  nur  die  Regel  bestätigen.  Dieser  Umschwung  ist  einerseits ­
  erfreulich  und  anderseits  zeigt  er  aber  auch,  daß  die  moderne
Arbeiterbewegung  an  Tiefe  gewonnen  hat,  und  der  Ernst  und  die  Ruhe
der  Arbeiter  lassen  den  Ernst  und  die  Bedeutung  solcher  wirtschaftlichen ­
  Kämpfe  nur  noch  schärfer  hervortreten.