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VII.  Kartei!  und  soziales  Emporsteigen  der  Arbeiter.

liehe  Mittelstand,  verschwindet.  War  es  nun  früher  schon
dem  Arbeiter  fast  unmöglich,  sich  in  die  Sphäre  der  Unternehmer ­
  emporzuschwingen,  so  ist  dieses  bei  den  heutigen
Großbetrieben  ausgeschlossen.
Eine  Verminderung  der  Zahl  der  Betriebe  erfolgte  nun
vor  allem  durch  die  eigenartige  Verbandspolitik  der  schweren
Montanindustrie.  Die  Handhabung  der  Preispolitik  und  die
Kontingentierung  der  Produktion  durch  die  Kartelle,  ferner
die  Ersparnisse  durch  Zusammenlegung  der  Betriebe,  kommen ­
  hier  vor  allem  in  Betracht.
Die  Kontingentierung  der  Produktion  in  Beteiligungsziffern ­
  seitens  des  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikats
führte  besonders  im  Ruhrkohlenbergbau  zu  Zechenstilllegungen ­
 1 ).  Die  Ursache  ist  die,  daß  bei  einer  Fördereinschränkung ­
  ein  Verlust  zunächst  eintritt  durch  den  Förderausfall; ­
  dieser  Verlust  wird  aber  noch  dadurch  erhöht,  daß
die  Betriebsunkosten,  die  Qeneralunkosten,  dieselben  bleiben.
Um  nun  stets  eine  volle  Ausnützung  der  Förderungsanlagen
und  Arbeitskräfte  zu  erzielen,  war  man  bedacht,  die  Beteiligungsziffer ­
  möglichst  hochzuhalten,  und  man  kam  auf  die
Idee  andere,  zuweilen  minderwertige  Zechen  aufzukaufen,
nur  um  ihre  Beteiligungsziffer  zu  erwerben.  Oder  aber  man
kaufte  aus  demselben  Grunde  benachbarte  Zechen  an,  die
Förderung  geschah  dann  aus  der  am  günstigsten  gelegenen
Zeche,  die  anderen  wurden  stillgelegt.
Diese  Zechenstillegungen  hatten  nun  eine  erhebliche  Verminderung ­
  der  Zahl  der  selbständigen  Zechen  zur  Folge,  insbesondere ­
  waren  es  die  Zechen  kleineren  und  mittleren
Umfangs,  die  von  diesem  Aufsaugungsprozeß  ergriffen  wurden. ­
  Die  Zwischenstufen  verschwinden  und  vergrößern  somit ­
  auch  hier  den  Abstand  zwischen  Unternehmern  und  Arbeitern. ­
  Dem  Bergmann,  der  schon  in  früheren  Zeiten  kaum
darauf  rechnen  konnte,  einmal  selbständiger  Zechenbesitzer
zu  werden  und  zwar  wegen  des  auch  zum  kleinsten  Zechenbetrieb ­
  erforderlichen  nicht  unbeträchtlichen  Kapitals,  ist  bei
der  jetzigen  Entwicklung  der  Riesenzechen  der  Weg  zur  Selbständigkeit ­
  noch  mehr  versperrt.  Aber  auch  nur  das
Muten  von  Feldern  auf  Grund  neuer  Fundstellen  ist  für  den
Ruhrbergmann  heute  fast  unmöglich,  weil  die  Felder  bereits
vollkommen  aufgeteilt  sind.
J )  Vgl.  über  die  Zechenstillegungen  im  Ruhrrevier:  Goetzke,  a.  a.O.