IV Vorwort zur ersten Ausgabe. Doch scheint es uns, als ob hierin gleichfalls eine gewisse Über treibung läge, wenn auch ira entgegengesetzten Sinne. Sicherlich ist der Einfluß, den das wirtschaftliche Milieu auch auf den abstrak testen Volkswirtschaftler ausübt, unbestreitbar, da es ihm die Grund lage für seine Untersuchungen und die Bausteine seiner logischen Konstruktionen liefert. Sind es doch die Tatsachen, die in einem gegebenen Augenblick die Probleme auftauchen lassen, die der Theo retiker zu lösen hat, und sie in einem anderen Augenblick wieder zum Verschwinden bringen; sicherlich wechseln diese Probleme je nach den Epochen und Ländern. Es kann kein Zweifel darüber be stehen, daß die ganz besondere wirtschaftliche Lage Englands am Anfang des 19. Jahrhunderts die Gedanken Ricaedo’s auf die Boden rente und die Notenemission gerichtet hat. Ohne das Auftreten der Maschinen, ohne die parallel verlaufende Entwicklung der Groß industrie und des Proletariats, ohne die Häufung der Krisen wären die Lehren eines Sismondi und eines Karl Marx sicherlich nicht entstanden. Wenn heute die Theorie des Monopols immer mehr die Aufmerksamkeit der Volkswirtschaftler auf sich zieht, so darf man annehmen, daß die Entwicklung der Trusts und der Kapitalsyndikate, die uns immer mächtigere und zahlreichere Monopole vorführen, hieran nicht unbeteiligt ist. Aber wenn man das auch alles zugibt, so muß man doch auf der anderen Seite anerkennen, daß die Tatsachen nicht genügen würden, um das Entstehen der Theorien zu erklären, und zwar nicht einmal die der Sozialpolitik, und noch weniger die der rein wissenschaft lichen Auslegung. Wenn jedoch die Ideen durch Zeit und Milieu bestimmt werden, wie soll man es dann erklären, daß das gleiche Milieu und die gleiche Epoche gleichzeitig nicht nur heterogene, sondern sogar antagonistische Lehren hervorgebracht haben, wie die eines J.-B. Say und eines Sismondi, eines Bastiat und eines Peoudhon, eines Schulze-Delitzsch und eines Maex, eines Feancis Walker und eines Henry George! Und mit welchen historischen Umständen kann man in Frankreich die Entstehung der mathe matischen Schule mit Cournot oder die in drei oder vier verschie denen Ländern gleichzeitig erfolgte Entdeckung der Theorie des Grenznutzens in Verbindung bringen? Aus diesem Grunde, ohne für die Geschichte der Doktrinen eine irgendwie geartete Überlegenheit zu fordern, — und indem wir, wie wir wiederholen, es bedauern, daß die Geschichte der Tatsachen in Frankreich allzusehr vernachlässigt wird, — beanspruchen wir für sie das Recht, sich als eine Sonderdisziplin darzustellen 1 ). Deshalb ’) Über den Nutzen des Unterrichts in der Geschichte der Doktrinen siehe einen Aufsatz von Deschamps in der Keforme Sociale vom 1. Oktober 1902.