4 Erstes Buch. Die Begründer. Keiner der Physiokraten, mit Ausnahme von Tdegot, hat ein wirkliches schriftstellerisches Talent besessen, und keiner von ihnen, Paris u. Frankfurt, 1888. — Jedoch sind die von uns angeführten Zitate, wie alle, die auf die Begründer Bezug nehmen, der von Daire herausgegebenen „Collection des Principaux Eoonomistes“ entnommen. Der Marquis Mxeabbatj, der Vater des großen Eedners der Eevolution, und von nicht geringerer leidenschaftlicher Kühnheit als sein Sohn, hatte gleichzeitig (1756) I’Ami des hommes (der Freund des Menschengeschlechtes) herausgegeben. Dieses Buch, das großes Aufsehen hervorrief, steht aber, genauer betrachtet, außerhalb des physiokratischen Kreises, denn sein Urheber kennt diese Anschauungen noch nicht. Dagegen sind die Steuertheorie (la theorie de l’impot, 1760) und die Agrar philosophie (La Philosophie Eurale, 1763) von dieser Anschauung diktiert. Merceer be la Eiviüre, Parlamentsrat, veröffentlichte im Jahre 1767 „die natürliche und grundlegende Ordnung der politischen Gemeinschaften“, (1’Ordre naturel et essentiel des sooietes politiques), ein Werk, das Dupont de Nemours „un ouvrage sublime“ — eine einzigdastehende Leistung — nennt, und das, wenn es auch nicht ganz diese Bezeichnung verdient, doch nichts weniger als die Zusammenfassung der Grundsätze der physiokratischen Anschauung ist. Dupont, nach seiner Vaterstadt „de Nemours“ genannt, ließ ungefähr zur gleichen Zeit (1761, — er war damals erst 29 Jahre alt) ein Buch erscheinen: Phy sio- kratie ou Constitution essentielle du gouvernement le plus avanta- ge.ux au genre humain (Physiokratie oder Grundbedingungen der dem Menschen geschlechte zuträglichsten Regierung). Wie man sieht, ist ihm die Benennung der Richtung „Physiokratie“ zuzuschreiben, die bekanntlich Naturregiernng bedeutet. Diese Benennung fand jedoch keinen Anklang und wurde durch den Namen „Ekonomisten“ ersetzt. Quesnay und seine Schüler waren daher die ersten Ekonomisten. Viel später erst, als der Name „Ekonomist“ eine allgemeine Be deutung erworben hatte und daher zur Bezeichnung einer bestimmten Richtung ungeeignet geworden war, kam man auf den Namen Physiokraten zurück. Als begeisterter Anhänger Quesnay’s befaßt sich Dupont hauptsächlich mit der Verbreitung der physiokratischen Anschauungen, ohne selbst zu ihrem Ausbau bei zutragen. Übrigens wurde er frühzeitig von seinen wissenschaftlichen Arbeiten durch die großen politischen Ereignisse abgelenkt, an denen er lebhaften Anteil nahm. Er überlebte die ganze physiokratische Schule und hat als einziger die Eevolution gesehen, in der er eine hervorragende Bolle spielte. Er wurde bald Abgeordneter des „Tiers-Etats“, Vorsitzender der Constituante und später, unter dem Directoire, Vorsitzender des Conseil des Anciens. Er erlebte sogar das Kaiserreich, und in seiner Person erhielt die politische Ökonomie zum ersten Male einen Platz „im Institut“. Le Trosnb, Staatsanwalt am Oberlandesgericht in Orleans, übergab im Jahre 1777 der Öffentlichkeit ein Buch: De l’interet social, par rapport ä la valeur, ä la circulation, ä l’industrie et au commerce (Überdas volkswirtschaftliche Interesse in bezug auf den Wert, den Umlauf, die Industrie und den Handel). Dieses Werk ist vielleicht das beste oder wenigstens das im größten Maße wissenschaftliche, ökonomische Buch der ganzen Schule. Weiterhin sind noch zu nennen: der Abbe Baudeau, der 80 Bände verfaßt hat! Hauptsächlich über den Getreidehandel. Sein bedeutendstes Werk jedoch ist: l’Intro- duction ä la Philosophie economique (Einführung in die ökonomische Philosophie) vom Jahre 1771. Sodann ein anderer Abbe, der Abbe Eoubaud, sowie der Markgraf von Baden (Abrege des principes de la Science economique, 1771), welch letzterer den Vorzug besaß, nicht nur Schriftsteller, sondern unabhängiger