26 Erstes Buch. Die Begründer. wegs als Parasit, nicht einmal als ein sein Einkommen aus zweiter Hand erhaltender Stipendiat, wie der Fabrikant. Sein Anteil gebührt ihm optimo jure, kraft eines Rechtes, das älter und höher ist als das des Landwirtes. Denn wenn der Landwirt das Erzeugnis macht, so hat er, der Besitzer, den Boden gemacht. Man könnte die drei Ge sellschaftsklassen der Physiokraten mit drei Personen vergleichen, die sich in das Wasser eines Brunnens teilen: Die produktive Klasse vorgestreckt haben, die wir zu unterhalten und zu bewahren beauftragt sind (Baudeau, Philosophie economique, S. 757). „Die erste Kraft, deren Reproduktion nötig ist, ist der der Gesellschaft unentbehrlichste Mensch. Diese erste Kraft ist der Grundbesitzer: Daher beruht die Rechtfertigung seiner Vorrechte auf der physischen Notwendigkeit der Reproduktion“ (La Rivöke, S. 466—467). „Durch Ausgaben erwirbt sich der wahre, gerechte und nützliche Grundbesitz. Bis zum Augenblick, wo diese ersten Grund-Vorschüsse eintreten, ist das Eigentum nur das exklusive Recht, den Boden eines Tages produktiv zu machen“ (Baüeeau, S. 851), d. h., solange als der Boden nicht instand gesetzt ist, beschränkt sich das Eigentum auf die einfache Okkupation. Die Physiokraten unterschieden drei Arten von Vorschüssen: 1. Die jährlichen Vorschüsse (avances annuelles), die die Kosten der Be stellung in jedem Jahr vorstellen, — wie Saat, Dünger,, Arbeitsleistungen und, natürlich, die Unterhaltungskosten der Arbeiter. Diese Vorschüsse müssen jährlich vollständig durch die Jahresproduktion ersetzt werden. Wir nennen das heute Betriebskapital. 2. Die primären Vorschüsse (avances primitives), wie Ankauf von Vieh und Geräten, die eine mehr oder weniger lange Reihe von Erzeugungsarbeiten aushalten und daher in einem Jahr nur zu einem Bruchteil wieder eingebracht werden müssen. Man sieht hier sehr gut die seit dem klassisch gewordene Unterscheidung zwischen fixem Kapital und Betriebskapital, die Amortisation des ersteren gegenüber der völligen Rückerstattung des zweiten. Es war ihnen auch nicht entgangen, daß eine verständige Erhöhung der primären Vorschüsse, eine Verminderung der jährlichen Vorschüsse gestattet. Diese Gedanken waren damals sehr neu und sind der Wissenschaft vollständig einverleiht worden, nur mit dem Unterschied, daß sie, anstatt allein auf die land wirtschaftliche Produktion beschränkt zu sein, auf alle Produktion überhaupt ausge dehnt wurden. 3. Die grundlegenden Vorschüsse (avances foncieres) sind die, deren Zweck die Vorbereitung des Bodens für die Bearbeitung ist (offenbar hätten sie besser primäre Vorschüsse — avances primitives — genannt werden sollen). Die beiden ersten Arten von Vorschüsse sind die, die dem Landwirt zufallen und ihm ein Anrecht auf einen Lohn schaffen, der wenigstens genügen muß, um sie zurückzuerstatten. Die dritte Art fällt dem Besitzer zu und sie ist es, die ihm ein Recht auf den Grundbesitz gibt.“ Ehe man einen Pächter einsetzen und, eine jährliche, regel mäßige und fortlaufende Feldbestellung vornehmen kann, sind Gebäude, Scheunen und Ställe, Wege, Pflanzungen, Bodenbearbeitung, Entfernung von Steinen, Stämmen und Wurzeln, Wasserlaufregnlierungen und Schutzstätten nötig. — Das sind, werter Herr, die grundlegenden Vorschüsse, die wahren Arbeiten des Besitzers, die wahre Be gründung seines Besitzrechtes“ (Baudeau, Ephemerides, Mai 1776, Antwort a» Condillac).