30 Erstes Buch. Die Begründer. Diese warmherzigen Worte, die damals keineswegs banal waren, wiegen ein wenig die Begünstigung auf, die die Physiokraten der Klasse der Grundbesitzer erzeigten, von der sie weiter nichts als einige soziale Dienste forderten, die noch dazu jeder offiziellen Be stätigung ermangelten. II. Bisher sind wir, wie die Physiokraten, in dem Bereich der Theorie geblieben. Ihr Einfluß hat sich aber am stärksten im Gebiet der angewandten Nationalökonomie, der Handelsgesetzgebung, der Be tätigung des Staates und der Steuerverteilung fühlbar gemacht 1 ). § 1. Der Han del. Der Tausch, auf die einzige und wesentliche Handlung des: „do, ut des“ zurückgeführt, erzeugt nach der Meinung der Physio kraten überhaupt nichts: denn auf Grund seiner Definition bedingt, er die Gleichwertigkeit der getauschten Gegenstände. Wenn daher jede der beiden Parteien genau den Gegenwert dessen, was sie her gegeben hat, erhält, wo bleiben dann die neugeschaffenen Werte? Zwar kann der Tausch „leoninisch“ sein und eine der beiden Par teien auf Kosten der anderen bereichern, aber auch in diesem Falle gibt es keine Schaffung neuer Werte, da der eine gewinnt, was der andere verliert 2 ). Wenn ich meine Flasche Wein gegen dein Brot *) Man mag wohl erstaunt sein, in dieser Aufzählung nichts über die Freiheit der Arbeit, nämlich die Abschaffung der Zünfte, zu finden, eine Tat, die man den Physiokraten zur Ehre angerechnet hat. Es ist aber zu bemerken, daß sie sich selten in ihren Schriften damit beschäftigt haben, zweifellos weil bei ihrer Auffassung der industriellen Arbeit als unproduktiv Reformen in der Organisation dieser Arbeit sie nur wenig berührten. Sie haben jedoch gegen die Vorschrift, die die Aus übung eines Gewerbes an eine königliche Genehmigung knüpfte, protestiert: „Für aufrichtige Menschen der elendeste Grundsatz, den der Geist der Herrschsucht und des Raubes jemals erfunden hat“, schreibt Baudeau in den Ephemeriden (1768, IV)- Mit Recht spricht man daher der physiokratischen Lehre das Verdienst Jenes be rühmten Edikts Tdrgot’s vom Januar 1776 zu, durch das die Meisterschaften (Zünfte) aufgehoben und die Freiheit der Arbeit für alle proklamiert wurde. 2 ) „Der Tausch ist ein Gleichheitsvertrag, der zwischen gleichen Werten statt- findet. Er ist daher kein Bereicherungsmittel, da man eben so viel gibt, wie man erhält, sondern ein Mittel, die nötigen Bedarfsgegenstände zu erwerben und in di® Annehmlichkeiten Abwechslung zu bringen (Le Tbosne, S. 903—904). Was bedeutet aber „Bedarfsgegenstände zu erwerben und in die Annehmlichkeiten Abwechslung zu bringen“, wenn nicht seinen Reichtum vergrößern!