34 Erstes Bach. Die Begründer. landwirtschaftlichen Erzeugnissen und besonders mit dem Getreide befaßten; und da damals der Handel fremder Völker, soweit die Ein fuhr in Betracht kam, kaum zu fürchten war, dachten sie bei dem Freihandel nur an die freie Ausfuhr. Nach Oncken war die yon Qübsnay gewünschte Handelspolitik diejenige, die England damals befolgte; Begünstigung der Getreideausfuhr, um den Kurs zu stützen, und um bei Gelegenheit einer reichen Ernte den richtigen Preis zu halten, — sowie die Erlaubnis der Einfuhr nur im Falle einer Hungersnot, um zu große Teuerung zu verhüten 1 ). Mit einem Wort:'die Handelsfreiheit bestand für die Physiokraten hauptsächlich in der Abschaffung der unter der alten Eegierungsform bis in den Himmel gehobenen Maßnahmen, die darauf abzielten, die Getreideausfuhr ins Ausland zu verhindern und den freien Güter austausch im Inland einzuschränken 2 ). Diese physiokratische Auf fassung hat aber nicht lange gebraucht, um die Umstände, denen sie ihr Entstehen verdankte, zu überflügeln, und zur These von der ab soluten freien Konkurrenz zu werden, die Waleas später wie folgt zusammenfaßte: „die freie Konkurrenz im Tausch verkehr sichert jedem Teile das Maximum des Grenznutzens oder, was dasselbe ist, die Maximalbefriedigung der Bedürfnisse.“' Fast alle Gründe, die während eines Jahrhunderts im Kampfe um den Freihandel ins Treffen geführt wurden, sind schon von den Physiokraten formuliert worden! Die hauptsächlichsten sind: 1.« Die Widerlegung des Beweises von der Handelsbilanz wird schon von Mekcier de la ßi viere mit vollkommener Genauigkeit geführt: „Also du blinde und stumpfsinnige Politik, ich werde alle *) Ebenda, S. 376. — Es ist der Mühe wert, darauf hinzuweisen, daß die amerikanische Konkurrenz ausdrücklich von Quesnay vorausgesehen wurde, was sicherlich eins der bemerkenswertesten Beispiele wissenschaftlicher Vorhersage ist, das angeführt werden kann. „Man könnte“* sagt er in seinem Aufsatz über die Körnerfrüchte in der Enzyklopädie, „die Ernchtbarkeit der amerikanischen Kolonien fürchten, und das Anwachsen der Landwirtschaft in der Neuen Welt“, aber er geht, wenigstens provisorisch, über diese Befürchtung mit dem Hinweis hinweg, daß „das amerikanische Getreide weniger gut, als das französische sei und auf der Heise ver derbe“. Wir verweisen auch noch auf das, was wir schon im vorhergehenden über die Physiokraten als Schutzzöllner unter heutigen Verhältnissen gesagt haben. 2 ) Man muß glauben, daß das damalige Schutzzollsystem eine Entwicklung der Industrie auf Kosten der Landwirtschaft begünstigte, indem es die Ausfuhr von gewerblichen Produkten und Hohstoffen einsehränkte, um den Fabrikanten billige und ausreichende Arbeitskräfte und Rohstoffe zu sichern. Man kümmerte sich durch aus nicht um die Getreideeinfuhr: im Gegenteil, der Merkantilismus und der / Colbertismus gaben den Landwirt doppelt preis, indem man die Getreideausfuhr er schwerte und die Getreideeinfuhr gestattete, während man gerade das Gegenteil für die gewerblichen Erzeugnisse tat.