60 Erstes Buch. Die Begründer. ■Verwaltung, Verwaltung der großen Handelsgesellschaften, Merkantil system, Geldorganisation, Steuern. Er tut dies, indem er überall in vollständiger Beherrschung des wissenschaftlichen Materials ein so sicheres, gleichmäßig abwägendes Urteil anwendet, daß er ohne Mühe überzeugend wirkt. Die Tatsachen fügen sich den Gedankengängen, die Beispiele den Beweisführungen zwingend ein, und er belehrt, indem er überzeugt. All dies ohne Schwerfälligkeit, ohne gewichtigen logischen Apparat, ohne durch eintöniges Wiederholen Eindruck erzielen zu wollen, mit einer sicheren Einfachheit, die jeden Skeptizis mus ausschließt. Denn über allen seinen Schriften liegt ein Hauch wärmster Menschenliebe, die seine Worte oft zu einer glänzenden Beredsamkeit steigert. Diese seltenen Eigenschaften haben dem alten Buche einen großen Teil seiner Frische bewahrt. b) Andererseits hat Smith seinen Vorgängern alle ihre bedeutenden Ideen entnommen, um sie in ein allgemeineres System zu fassen. Indem er über sie hinausging, machte er sie überflüssig, weil er an Stelle ihrer fragmentarischen Ansichten eine wirkliche soziale und öko nomische Philosophie setzte. So erhalten diese Ansichten in seinem Buche einen ganz neuen Wert. Anstatt isoliert zu bleiben, dienen sie jetzt dazu, eine allgemeine Auffassung zu stützen, und sie selbst werden dadurch in schärfere Beleuchtung gerückt. Smith, wie fast alle großen Schriftsteller, hat sich viel von seinen Vorgängern und Zeitgenossen aneignen können, ohne daß seine Ursprünglichkeit ge litten hätte. Sein Werk zitiert und verarbeitet, nicht immer unter Namensnennung, mehr als 100 Schriftsteller. Die Namen einiger von ihnen, die den meisten Einfluß auf ihn gehabt zu haben scheinen, oder deren Wegen er gefolgt ist, verdienen hervorgehoben zu werden. Unter ihnen nimmt vielleicht Hutcheson, Professor der Moral philosophie auf demselben Lehrstuhl, den Smith späterhin an der Universität zu Glasgow einnehmen sollte, die erste Stelle ein. Smith folgt ihm soweit, daß er ihm teilweise sogar die Einteilung seiner eigenen Vorlesungen entnimmt. Das ist aber nicht alles. Viele der bekanntesten Theorien Smith’s finden sich in ihren Anfängen bei seinen Vorgängern. Hutcheson legt in seinem „System of moral p h i 1 o s o p h y“ (1755 veröffentlicht, aber viel früher verfaßt) der Arbeits teilung bereits eine ganz außerordentliche Bedeutung bei; in bezug auf Wertschwankungen und Ursprung des Geldes, in bezug auf das Getreide und die Arbeit, als konstantere Wertmasse angesehen, bringt er Betrachtungen, die denen, die man über diese Gegenstände in der Wealth of Nations findet, sehr ähnlich sind. Neben Hutcheson muß man David Home erwähnen. Smith nennt ihn an einer Stelle den „unvergleichlich berühmtesten Philosophen und