Kapitel II. Adam Smith. 67 besonderes Gewerbe, sondern sie teilt sich in eine Anzahl von Zweigen, von denen die meisten wiederum besondere Gewerbe sind. Der eine zieht den Draht, ein anderer streckt ihn, ein dritter schneidet ihn ab, ein vierter spitzt ihn za, ein fünfter schleift ihn am oberen Ende, wo der Kopf angesetzt wird; die Herstellung des Kopfes erfordert zwei oder drei verschiedene Tätigkeiten; das Ansetzen desselben ist eine besondere Tätigkeit, das Weißglühen der Nadel eine andere; ja sogar das Einlegen der Nadeln in Papier bildet ein Gewerbe für sich. So ist das wichtige Geschäft der Stecknadelfabrikation in ungefähr 18 verschiedene Verrichtungen geteilt, die in manchen Fabriken alle von verschiedenen Händen vollbracht werden, während in anderen zuweilen zwei oder drei derselben von einem einzigen Manne besorgt werden. Ich habe eine kleine Fabrik dieser Art gesehen, wo nur 10 Menschen beschäftigt waren, und manche daher zwei oder drei verschiedene Verrichtungen zu erfüllen hatten. Obgleich nun diese Menschen sehr am und darum nur leidlich mit den nötigen Maschinen versehen waren, so konnten sie doch, wenn sie sich tüchtig daran hielten, in einem Tage zusammen etwa 12 Pfund Stecknadeln liefern. 1 Ptund enthält über 4000 Nadeln von mittlerer Größe. Diese zehn Personen konnten demnach täglich über 48000 Nadeln hersteilen 1 ).“ Diese Beschreibung gibt sehr gut wieder, wie in der Gesell schaft der auf sich allein angewiesene Mensch kaum die aller- nötigsten seiner Bedürfnisse befriedigen könnte, während er durch die Arbeitsteilung und den Gütertausch seine Produktion und seinen V' ohlstand verhundertfacht. Daraufhin untersucht Smith die Gründe dieser Macht der Arbeitsteilung und führt sie auf drei Hauptursachen zurück; Die große Fertigkeit, die jeder Arbeiter, der sich nur stets mit derselben Tätigkeit befaßt, erlangt; — die Zeitersparnis, die dadurch gewonnen wird, daß man nicht ständig von einer Beschäftigung zur anderen übergeht, — endlich die Erfindungen und Vervollkommnungen, welche stete Beschäftigung mit derselben Arbeit denen, die sie alle Tage a nsüben, ganz natürlich nahe legt. Man hat Smith vorgeworfen, den Vorteilen der Arbeitsteilung nicht ihre Nachteile gegenübergestellt zu haben. Dies lag in seinem Plan und ist ohne wirkliches Interesse. Die Hauptsache ist, daß er Sle nicht übersah, denn niemand hat sie klarer als er ins Licht gesetzt. I m 5. Buche führt er in bezug auf die öffentliche Erziehung ^ US: „Je weiter die Teilung der Arbeit fortschreitet, um so mehr kommt es endlich dahin, daß die Beschäftigung des größten Teiles derer > die von ihrer Arbeit leben, d. h. der Masse, auf einige wenige 0 Völkerreichtum I, Ö. 3—4, B. I, Kap. I. ö*