68 Erstes Buch. Die Begründer. sehr einfache Verrichtungen, oft nur auf ein oder zwei, beschränkt wird“. Nämlich: „Ein Mensch, der sein ganzes Leben damit hinbringt, ein paar einfache Operationen zu vollziehen, deren Erfolg vielleicht immer derselbe oder wenigstens ein ziemlich ähnlicher ist, hat keine Gelegenheit, seinen Verstand zu üben oder seine Erfindungskraft an zustrengen, um Hilfsmittel gegen Schwierigkeiten aufzusuchen, die ihm niemals begegnen. Er verliert also natürlich die Fähigkeit zu solchen Übungen und wird am Ende so unwissend und dumm, als es nur immer ein menschliches Wesen werden kann 1 ).“ Zwischen diesen Ausführungen und den oben ausgeführten Ge danken scheint ein Widerspruch zu bestehen. Weiter oben stellt Smith die Beschäftigung mit ein und derselben Arbeit als eine Quelle der Erfindungen hin; — hier ist sie die Ursache der Verblödung des Arbeiters. Der Widerspruch ist mehr scheinbar als wirklich, denn dieselbe Beschäftigung, die die Einbildung zuerst anspornen mag, kann später durch ihre Eintönigkeit eine Erschlaffung der Intelligenz nach sich ziehen. Auf jeden Fall ist der Schluß, den A. Smith aus seiner Bemerkung zieht, sehr interessant. Um den Nachteilen dieses Übermaßes von Spezialisierung zu begegnen, legt er besonderen Wert auf die Notwendigkeit, den Elementarunterricht (der in Lesen, Schreiben und Rechnen besteht) 2 ) dem Volke durch die Errichtung von teil weise auf Staatskosten unterhaltenen Elementarschulen zu erleichtern und „sogar aufzuzwingen“. Man bemerke hier diesen Verstoß gegen sein eigenes Prinzip der Nichteinmischung des Staates! Wir werden weiterhin sehen, daß er nicht der einzige geblieben ist. Um seine Ausführungen betreffs der Arbeitsteilung zu vervoll ständigen, bezeichnet Smith endlich die Grenzen, an denen sie Halt machen muß. Er erwähnt zwei; Erstens die Ausdehnung des Marktes: „Wenn der Markt sehr beschränkt ist, so kann niemand sich ermutigt finden, sich einer einzigen Beschäftigung ganz hinzugeben, weil es an der Möglichkeit fehlt, jenen ganzen Produktenüberschuß seiner Arbeit, der weit über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche Produkte der Arbeit anderer, die er gerade braucht, auszutauschen 3 ).“ Deshalb begünstigt der Handel mit den Kolonien und mit dem Aus lande, der den Markt der Nationalindustrie vergrößert, die Arbeits teilung und vermehrt den Reichtum. — Der andere Umstand, der nach Smith die Arbeitsteilung begrenzt, ist die vorherige Kapital- ') Ebenda II, S. 215, B. V, Kap. I, Teil 3, § 2. 2 ) „Mit einem sehr geringen Aufwands kann der Staat beinahe dieser ganzen groben Yolksklasse die Erlernung dieser wesentlichsten Unterriohtsgegenstände er leichtern, kann sie dazu ermuntern und kann sie ihr sogar zur unerläßlichen Be dingung machen“ (Lesen, Schreiben und Rechnen), II, 8. 217, B. V, Kap. I, Teil 3, § 2. s ) I, S. 10, B. I, Kap. III.