Kapitel II, Adam Smith. 69 Ansammlung 1 ). Diese Bemerkung ist aber viel Aveniger genau als die vorhergehende. Smith scheint hier von einer einzelnen Unternehmung auf die Gesamtheit der Gesellschaft geschlossen zu haben. Wenn es wahr ist, daß ein Fabrikant in seiner Fabrik die technische Arbeits teilung um so höher vervollkommnen kann, je größer seine Kapital kraft ist, so ist es umgekehrt klar, daß in der Gesamtheit der Gesellschaft gerade die Arbeitsteilung jeder einzelnen Person eine vorhergehende Ansammlung von Kapitalien erspart, die sie haben müßte, um, wenn sie allein lebte, die gleiche Arbeit auszuführen 2 ). Dies ist in ihren Hauptzügen die Theorie der Arbeitsteilung von A. Smith, eine Theorie, die heute jedem so bekannt ist, daß wir oft Mühe haben, ihre Bedeutung und Originalität zu erfassen, obgleich sie von gewissen Soziologen (Dürkheim) zu dem Bang einer Grund lage der Moral erhoben worden ist. Es genügt jedoch, sie der physio- kratischen Auffassung der Gesellschaft gegenüberzustellen, um ihre Überlegenheit ersichtlich zu machen. “Die Physiokraten stellten sich die Volkswirtschaft unter einer Reihe von überein andergelagerten Klassenschichten vor. Die Landleute trugen gewissermaßen auf ihren Schultern den ganzen Rest Ger Gesellschaft, dem sie einen Teil des von ihnen dem Boden selbst abgeAvonneneu Nahrungssaftes abgaben. Daher kam die überwiegende Bedeutung der landwirtschaftlichen Klasse, und die Notwendigkeit, Ihren Interessen das ganze volkswirtschaftliche System unterzuordnen. ‘Smith betrachtet im Gegenteil die soziale Gütererzeugung in ihrer Gesamtheit als das Ergebnis einer Reihe von nebeneinander be stehenden und aufeinander angewiesenen Unternehmungen, zwischen heuen der Güteraustausch die Verbindung herstellt. Der Fortschritt eines jeden Tätigkeitszweiges ist daher eng mit dem Fortschritt aller anderen verbunden. Keine der jedem Tätigkeitsziveige entsprechenden Klassen hat die alleinige Aufgabe, für den Lebensunterhalt der anderen zu sorgen. Sie sind alle gleicherweise unentbehrlich* Der Handwerker, her dem Landarbeiter die Mühe des Baues seines Hauses oder der An fertigung seiner Kleider erspart, trägt unter dieser Form zur Vermeh- run g des landwirtschaftlichen Produktes bei, ebenso wie der Land- weiter, indem er es dem Handwerker erspart, Furchen zu ziehen ') „Wie die Aufhäufung des Vorrates naturgemäß der Arbeitsteilung vorhergehen Wuß i so kann auch die Arbeit nur in dem Maße mehr und mehr geteilt werden, als ^orher Vorrat aufgesammelt worden ist“ (I, S. 160, B. II, Ein!.). An einer anderen ^ 11® bemerkt er allerdings, daß die Menge des Kapitals, die in einer Industrie zur Verwendung gelangen kann „sehr von der Menge der Arbeit abhängt, welche darin an tgewendet wird“ (I, S. 79, B. I, Kap. X, Teil 2), aber diese Bemerkung bleibt vereinzelt, während die erstere mit seinen wirklichen Gedanken übereinstimmt. . 2 ) Vgl. die eingehende Kritik dieses Gedankens Smith’s von Cannan, op. Clt - S. 80-83.