72 Erstes Buch. Die Begründer. furcht; der Eindruck, den sie auf ihn ansgeübt hatten, ist so stark gewesen, daß er sich nicht yon einigen ihrer Ideen hat freimachen können, auch wenn sie im Grunde genommen seiner eigenen Lehre widersprachen; dazu gehören die folgenden; daß es zwischen der Landwirtschaft und den anderen Industrien einen wesentlichen Unterschied gäbe, der darin besteht, daß in der Industrie und dem Handel keine Naturkräfte auftreten, während sie in der Landwirt schaft mit den Menschen zusammen arbeiten. „Niemals kann eine gleiche Quantität produktiver Arbeit in den Manufakturen ein ebenso großes Erzeugnis hervorbringen (wie in der Landwirtschaft). In ihnen (den Manufakturen) tut die N a t u r nichts, und der Mensch alles, und die Reproduktion richtet sich ja immer nach der Stärke der wirkenden Ursachen, welche dabei tätig gewesen sind 1 ).“ Man glaubt zu träumen, wenn man eine derartige Behauptung bei einem so bedeutenden Nationalökonomen liest. Sind denn das Wasser und der Wind, die Elektrizität und der Dampf keine Naturkräfte, die mit dem Menschen in der Industrie zusammen arbeiten? Aber Smith beachtet das nicht, und er wird um so mehr in seinem Irrtum bestärkt, da dieser ihm die Erklärung einer anscheinend höchst seltsamen Tatsache liefert, die später allen englichen National ökonomen Kopfzerbrechen machen wird: die Tatsache der Boden rente. Woher kommt es denn, während alle anderen Produktions zweige im allgemeinen einen Ertrag liefern, der gerade ausreicht, um die normale Entlohnung des Kapitals und der Arbeit, zu bestreiten, daß die Landwirtschaft außer diesen beiden Einkommen ein weiteres Einkommen liefert, nämlich die an den Grundbesitzer zu zahlende Pacht oder wie die Engländer sagen: seine „Rente“? Aus keinem anderen Grunde, antwortet Smith, weil „in der Landwirtschaft die Natur selbst mit dem Menschen arbeitet, und ihre Produkte haben, obgleich ihre Arbeit nichts kostet, doch ebensogut ihren Wert als die der kostspieligsten Arbeiter . . . Die Rente kann als das Produkt derjenigen Naturkräfte angesehen werden, deren Nutzung der Grund eigentümer dem Pächter leiht“ 2 ). Wenn A. Smith eine genaue ') I, S. 213/214, B. II, Kap. V. 2 ) Ebenda. Wir sehen, wie hierüber und über andere Punkte Smith gleich zeitig mehrere Meinungen hat. An anderen Stellen seines Buches betrachtet er die Rente als einen Monopolpreis und weist darauf hin, daß sie „auf andere Weise zur Bildung des Warenpreises beiträgt als der Arbeitslohn und der Kapitalgewinn. Hoher oder niedriger Lohn und Gewinn sind die Ursachen eines hohen oder niedrigen Preises; hohe oder niedrige Rente ist die Wirkung desselben. Gerade aus dem Grunde, weil hoher oder niedriger Lohn und Gewinn gezahlt werden muß, damit eine be stimmte Ware zu Markte komme, ist auch ihr Preis hoch oder niedrig; umgekehrt gewährt sie aber gerade aus dem Grunde, weil ihr Preis hoch oder niedrig ist, d. h. weil er viel mehr oder wenig mehr, oder gar nicht mehr beträgt, als zur Bezahlung