90 Erstes Buch. Die Begründer. den Preis der Dienste ans dem Preise der Waren abzuleiten, der auf einmal als bekannt vorausgesetzt wird? (Smith läßt z. B. die Höhe des Lohnes teilweise von dem Preise der Lebensmittel ab- hängen.) Wir haben hier einen circulus vitiosus, dem man nur durch die ganz neuzeitliche Theorie vom wirtschaftlichen Gleichgewichte entrinnen kann. Diese Theorie führt aus, daß alle diese Preise, die Preise der Dienste, wie die der Güter voneinander abhängig sind und sich zur gleichen Zeit, gerade wie die Unbekannten in einem System algebraischer Gleichung, in Übereinstimmung mit der aus getauschten Menge gegenseitig bestimmen. Aber diese Theorie vom wirtschaftlichen Gleichgewichte ist Smith fremd. x Der andere Vorwurf betrifft die Entwicklung, die Smith selbst seiner Theorie gegeben hat. Da nach ihm die Produktionskosten den Preis regulieren, so ist die Analyse der Produktionskosten, die Untersuchung der Ursachen, die die Höhe des Lohnes, des Profits und der Rente bestimmen, von der allergrößten Wichtigkeit. Man sollte daher erwarten, daß Smith in seinem Werke alles, wms betreff der Preistheorie noch dunkel blieb, durch eine derartige Untersuchung klar gestellt hätte. Aber diese Analyse ist einer der schwächsten Teile seines Buches. Im vorhergehenden haben wir schon die Mängel seiner Theorie der Rente ausgeführt. Die des Profits — den Smith nicht vom Zins unter scheiden kann ] ) — ist gleichfalls hinfällig geworden. Seine Lohn theorie ist ebenfalls durchaus ohne Zusammenhang. Ohne sich für eine bestimmte Lösung entscheiden zu können, schwankt Smith zwischen dem Gedanken des auf das Existenzminimum beschränkten Lohnes und des durch Angebot und Nachfrage bestimmten Lohnes hin und her. Man hat bald bemerkt, daß Smith’s Theorie von der Güter verteilung seiner Theorie von der Gütererzeugnng nachsteht, und J.-B. Say hielt es für einen seiner Ruhmestitel, sie vervollkommnet zu haben. Ricaedo macht das Problem der Güterverteilung zum Haupt gegenstand seiner Untersuchungen. Doch weiß man, daß diese Theorie der Güterverteilung das am wenigsten originelle im Werke Smith’s ist; sie ist sozusagen seinem ersten Plane aufgepfropft worden, in dem die Untersuchung der Produktion fast den ganzen Platz einnimmt. Das läßt sich leicht aus einer Vergleichung des Völkerreichtums mit den Vorlesungen Smith’s in Glasgow gegen 1763, die sich nur mit der Produktion befassen, erkennen. Dem Einflüsse der Physiokraten, deren Bekanntschaft er in der Zwischenzeit gemacht hat, muß man die Einfügung der Theorie der Güterverteilung in Smith’s ersten