Kapitel IY. Friedrich List und die nationale Volkswirtschaftslehre. 319 Augenblick wieder. Wenn Amerika aber, wie Stuart Mill sehr richtig bemerkt 1 ), sich dazu hergibt, diese Kosten zu tragen, so ist das der Beweis, daß es sich sogar auf diese Weise im internationalen Handel mehr Manufakturwaren verschafft, als es selbst hersteilen könnte. Ein nicht weniger fragwürdiges Argument ist das folgende: Caeey sagt, daß die Ausfuhr der landwirtschaftlichen Erzeugnisse den Boden des Landes aussaugt, denn, da diese Produkte nicht an Ort und Stelle verzehrt werden, werden auch die düngenden Bestand teile, die sie enthalten, dem Boden nicht wieder erstattet, — was im Gegenteil der Fall sein würde, wenn eine gewerbliche Bevölkerung in der Nachbarschaft säße 2 ). Auch hierzu bemerkt Stuart Mill sehr richtig 3 ), daß es nicht der Freihandel ist, der Amerika dazu zwingt sein Getreide auszuführen; es zeigt damit nur, daß die Aussaugung des Bodens als ihm ein unbedeutendes Übel erscheint gegenüber den Vorteilen, die ihm diese Ausfuhr verschafft. Weiterhin hat Caeey, als einer der ersten, im Schutzzoll ein Mittel gesehen, die Löhne zu erhöhen: der höchst entwickelte, wirt schaftliche Zustand, sagt er, schafft unter den Unternehmern, die Arbeit brauchen, eine lebhafte Konkurrenz, eine Konkurrenz von der natürlich die Arbeiter profitieren. — Dieser Vorteil aber (angenomm er existiert) scheint notwendigerweise durch die Teuerung der Lebe: mittel mehr als aufgewogen zu werden. ''! i. t~ Man sieht, wie Carey, wenn er auch von den gleichen Grund gedanken wie List ausgeht, sein Gebäude auf viel weniger soliden Grundlagen errichtet. Durch den klaren Aufbau seiner Gedanken wie durch den wissenschaftlichen Wert seiner Ausführungen ist der deutsche Schriftsteller seinem amerikanischen Nachfolger bedeutend überlegen. Er ist auch viel gemäßigter. Carey begnügt sich näm lich nicht mit einem Schutzzoll für die Industrie. Er verlangt auch für die Landwirtschaft einen Schutzzoll; und die geringen Zölle, die List vorschlägt, genügen ihm durchaus nicht. Trotz aller ihrer Berührungspunkte ist aber Caeey nicht von List angeregt worden. Er hat das nationale System gelesen *) Prinoiples of Political Economy, B. V, Kap. X, § 1. 2 ) „Von allen für die Zwecke des Menschen notwendigen Dingen kann der Dünger, der doch eines der bedeutendsten ist, am wenigsten den Transport vertragen. Der Boden kann nur unter der Bedingung fortfahren zu produzieren, daß man ihm die Bestandteile, aus denen sich die Ernte zusammensetzt, wieder zuführt. Wenn Man diese Bedingung erfüllt, so steigt die Menge der Lebensmittel, die Menschen können sich mehr einander nähern und ihre Kräfte zusamraentun und, indem sie ihre mdividuellen Fähigkeiten entwickeln, vermehren sie ihren Eeichtum; und doch ist diese Bedingung aller Verbesserung, trotzdem sie so wesentlich ist, allen Volkswirtschaftlern entgangen.“ (Principles of Social Science, B. I, S. 312 der franz. Übers.) 3 ) Principles of Political Economy, B. V, Kap. X, § 1.