Kapitel II. Der Staatssozialismus. 485 darin bestehen, den Wert „herzustellen“, ihn mit der in den Gegen ständen enthaltenen Arbeitsmenge in Übereinstimmung zu bringen I ). Dies ist aber das Werk der Zukunft und nicht der Gegenwart 2 ). Welche Schlußfolgerung soll man nun hieraus ziehen? Wenn es auf der einen Seite wahr ist, daß allein der Arbeiter alle Erzeugnisse schafft, und wenn auf der anderen Seite, auf Grund des Austausches, die Boden- und Kapitalienbesitzer allein infolge der Tatsache ihres Be sitzes, und ohne an der Produktion unmittelbaren Anteil zu haben, unter der Form von Zinsen oder Pacht einen Teil dieser Erzeugnisse er halten, so ist offenbar die Formel der Gerechtigkeit in der Verteilung verletzt. Diese Entwendung von Produkten zugunsten der Nicht produzierenden und zum Schaden der Arbeitenden geschieht übrigens ohne jede effektive Gewalttätigkeit, ganz einfach durch das Spiel des Freihandels und unter der Herrschaft des Privateigentums. Seine einzige Ursache liegt darin, daß in unserem sozialen System „andere wie die Produzenten selbst, nämlich die bloßen Privatbesitzer von Boden und Kapital, als bei der Produktion beteiligt und deshalb zu einem Anteil am Nationaleinkommen berechtigt anzusehen sind“ 8 ). Hiermit wird also das doppelte Gesicht der Verteilung enthüllt: wirtschaftlich überliefert der Tausch dem Kapital, dem Boden und der Arbeit einen Teil des Produktes, der mit dem Wert überein stimmt, zu dem ihre Dienste auf dem Markt eingeschätzt werden; sozial gestattet er, daß den einzigen Schöpfern des Produktes, den Arbeitern, ein Teil dieses Produktes genommen wird, ein Teil, der das darstellt, was Kodbebtus mit einem einzigen Wort „die Rente“ nennt, unter welchem Wort er das Einkommen der Großgrund besitzer und der Kapitalisten zusammenfaßt. Kein anderer Volks Wirtschaftler hat mit solcher Klarheit diese Güter nicht nach Arbeit vertauschen und (des Kapitals wegen) vertauschen können,“ und er fügt bezeichnenderweise hinzu: „was sich seinerzeit einmal gegen Marx gebrauchen läßt“. 1 ) „So ist auch die Kongruenz des Tauschwertes der Produkte mit den Arbeits- quanten, die sie gekostet, keine Tatsache, sondern die großartigste staatswirtschaftliche Idee, die je ihre Verwirklichung angestrebt hat.“ (2. sozialer Brief.) Kapital, Bd. II, S. 68—69). 2 ) Hin und wieder gibt Rodbertus als Hypothese und zum Nachweis gewisser Beweisführungen eine Tendenz der Preise zu, schon heute mit den Arbeitskosten übereinzustimmen; aber seine Grundlehre braucht diese Hypothese nicht, die bei ihm nur eine augenblickliche Hilfsrolle spielt. In seiner (übrigens völlig irrtüm lichen) Theorie der Teilung des Einkommens ohne Arbeit zwischen Grundeigen tümern und Kapitalisten, gibt er ganz vorübergehend in dem 3. sozialen Briefe (Schriften, Bd. II, S. 101) zu: „daß der Tauschwert jedes fertigen Produktes, wie eines jeden Teiles des Produktes, gleich seinem Wert an Arbeit ist“, (nach dem franz. Text, Anm. des Übers.) s ) Kapital, S. 119.